Im Duell der Oberklasse-Limousinen zwischen BMW Siebener und Mercedes S-Klasse haben die Bayern auf vielen wichtigen Märkten die Nase vorn. Nach 180 000 Einheiten ihrer aktuellen, 2008 eingeführten Baureihe, spendieren sie ihrem Flaggschiff für die zweite Halbzeit des Modellzyklus ein umfangreiches Facelift.
Mehr als zwölf Millionen Haushalte weltweit besitzen mehr als eine Million Dollar Vermögen. Dass in deren Garagen und Auffahrten eher die automobile Oberklasse parkt, dürfte einem Naturgesetz gleichkommen. Hauptsächlich sind es deutsche Limousinen. Je nach Land bemühen sich Mercedes mit der S-Klasse und BMW mit dem Siebener um die Pole Position. Meist gewinnt die Münchener Premium-Marke, zumindest in den wichtigsten Märkten China (49 Prozent) und USA (16 Prozent).
Damit das auch künftig so bleibt, spendieren die Bayern ihrem Flaggschiff für die zweite Hälfte seines Lebenszyklus eine Modellpflege. Rechtzeitig, bevor nächstes Jahr Mercedes seine brandneue S-Klasse enthüllt. Äußerlich hat BMW sich beim 5,08 Meter langen Siebener (L-Version: 5,22 Meter) bewusst zurückgehalten. Adrian van Hooydonk spricht von "Tiefe im Detail". Dazu zählen für den Design-Chef nicht nur kleine Änderungen an Front und Heck, die mehr Sportlichkeit suggerieren sollen oder Seitenblinker im Außenspiegel statt in der Chromspange im Kotflügel, sondern im Besonderen auch die LED-Technik der Frontscheinwerfer. Das haben andere auch, werden Kenner einwerfen. Doch beim Siebener ist deutlich sichtbar, wo sich in den Doppelrundscheinwerfern die LEDs befinden. "Der 7er ist so im Dunkeln klar von anderen BMW-Modellen zu unterscheiden", sagt van Hooydonk.
Nicht weniger fortschrittlich sind die Änderungen unterm Blech. "Noch nie in der Geschichte von BMW hat sich hier im Zuge einer Modellpflege so viel geändert", sagt Entwicklungschef Dr. Herbert Diess. Als Erfinder von Efficient Dynamics lässt BMW sich auch dieses Mal nicht lumpen und verspricht weniger Durst bei mehr Leistung. Sämtliche Motoren sind mit einer Achtgang-Automatik kombiniert, haben bis auf den V12 alle Start-Stopp-Funktion, rekuperieren im Schub und können zwischen 50 und 160 km/h "segeln". Nebenaggregate arbeiten "bedarfsgerecht", also nur dann, wenn es wirklich nötig ist, was den Motor entlastet und Sprit spart. "Wir konnten den Verbrauch teils um bis zu 25 Prozent senken", unterstreicht Motoren-Entwickler Christian Schwarz.
Aushängeschild ist der Sechszylinder-Basisdiesel (730d, ein Turbolader) mit jetzt 200 kW (258 PS). Ihn gibt BMW mit 5,6 Litern Diesel pro 100 Kilometer beim Normverbrauch an, womit er zum sparsamsten Selbstzünder in dieser Klasse avanciert. Im 740d (zwei Turbolader) stehen 230 kW (313 PS) statt bisher 226 kW (306 PS) im Fahrzeugschein. Verbrauch: ähnlich gute 5,7 Liter Diesel. Neuling der Baureihe ist, nicht zuletzt dank der Entwicklungshilfe der M GmbH, der 750d (drei Turbolader) mit 280 kW (381 PS) und serienmäßigem Allradantrieb. Er gibt sich laut Normzyklus mit 6,4 Litern Diesel zufrieden und erfüllt bereits die ab 2016 geltende Abgashürde Euro 6.
In eine neue Richtung fährt der Siebener Active Hybrid (89 300 Euro). Hat der E-Motor zuvor nur bei der Beschleunigung geholfen, kann die Öko-Limousine nun vier Kilometer rein elektrisch zurücklegen, und darf sich Full-Hybrid nennen.
Doch egal für welche Motorisierung sich der Siebener-Käufer entscheidet, jede für sich passt perfekt zum Charakter der Oberklasse-Limousine. Die Diesel sind ruhig und durchzugsstark, die Benziner geschmeidig und agil, die Achtgangautomatik erledigt ihre Aufgaben dezent und souverän aus dem Hintergrund. Das Fahren ist komfortorientiert. Zumal BMW auch das Fahrwerk überarbeitete und serienmäßig nun für alle Versionen an der Hinterachse eine Luftfederung einbaut. (mid)