Lëtzebuerg Veröffentlicht am 14.04.09 05:52

Auf dem Teppich bleiben

Autonom, aber nicht unabhängig: Taina Bofferding und Christophe Schiltz über das Verhältnis zwischen JSL und LSAP.
Marc Wilwert

von Joëlle Merges

„Jonk, rout, progressiv. Mir paken et un“: So heißt das Programm, mit dem die Jeunesses socialistes (JSL) in die Landeswahlen vom 7. Juni ziehen. In diesem 46 Seiten umfassenden Dokument befasst sich die Jugendorganisation der LSAP nicht nur mit typisch altersbezogenen Problemen wie der Schule und der Ausbildung, sondern auch mit gesellschaftsrelevanten Themen wie der Zuwanderung oder der inneren Sicherheit.

Und auch um den Stellenwert der Senioren haben sich die Jungsozialisten in ihrem Wahlprogramm Gedanken gemacht. Soziale Ausgrenzung im Alter sei zu verhindern, heißt es etwa in diesem Kapitel, in dem das Amt eines nationalen Seniorenbeauftragten vorgeschlagen wird, der als Anlauf- und Beratungsstelle für die allgemeinen Anliegen der älteren Mitbürger fungieren soll.

Zukunftabsicherung

Im Mittelpunkt des Wahlprogramms stehen aber die Anliegen der jüngeren Generation. Und diese kreisen um das Thema Zukunftsabsicherung. Dass sich immer mehr junge Leute Gedanken über den Wert ihres Schulabschlusses machen, ist ein Problem, mit dem sich die JSL auseinandersetzen. „Manche fragen sich, ob sie mit ihrem Hochschuldiplom noch einen Arbeitsplatz finden“, erklärt JSL-Vizepräsident Christophe Schiltz, für den diese Sorgen nicht nur auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen sind. Deswegen ist laut Überzeugung der Jungsozialisten die Schulreform noch lange nicht zu Ende gedacht.

Nach der Primärschule müsse nun der Sekundarunterricht auf den Prüfstein genommen und im Sinne von einer stärkeren Einbindung der Schüler überarbeitet werden. Neben der Ausbildung ist die Lage am Wohnungsmarkt ein weiteres Thema, dem sich die Jungsozialisten besonders widmen. Dass viele junge Leute sich trotz guten Einkommens keine eigene Unterkunft leisten können, stehe der hiesigen Gesellschaft nicht unbedingt gut zu Gesicht, meint JSL-Präsidentin Taina Bofferding. Ein großes Kapitel ist im JSL-Wahlprogramm auch den Jugendlichen in sozialer Not gewidmet – seien es junge Arbeitslose, Drogenabhängige, Minderjährige im Strafvollzug oder in psychiatrischer Behandlung. Dass die Juso-Kandidaten selbst größtenteils einer gesicherten Beschäftigung nachgehen (die meisten arbeiten im öffentlichen Dienst), soziale Notlagen also nur vom Hörensagen kennen, ist für Bofferding und Schiltz kein Widerspruch.

Es komme immer darauf an, in welchem Ton man die Jugendlichen anspreche. Und in diesem Punkt glauben beide, dass die „Jusos auf dem Teppich geblieben sind“ – im Gegensatz etwa zu den Jungliberalen, die schon allein aufgrund ihres Auftritts sich ausschließlich an eine bestimmte Klientel richten, meinen Bofferding und Schiltz. Die 26-jährige Studentin der Sozialwissenschaften tritt ebenso wie der 30-jährige Schiltz bei den Landeswahlen an. Wobei diese Kandidatur alles andere als selbstverständlich ist. „Viele meinen ja, als Vorsitzende der Parteijugend habe man von vorneherein einen Listenplatz sicher. Doch das stimmt gar nicht.“ Diese Einschätzung trifft bei den Sozialisten vor allem im Wahlbezirk Süden zu. Unter den 23 Kandidaten, die die LSAP dort ins Rennen schickt, ist Bofferding die Einzige ohne irgend ein politisches Amt (den Juso-Vorsitz einmal ausgenommen). Demnach ist ihr auch „ein Stein vom Herzen gefallen“, als sie von ihrem Listenplatz erfuhr. Neben Bofferding und Schiltz bewerben sich am 7. Juni neun weitere Jungsozialisten um ein Abgeordnetenmandat.

Eine beachtliche Kandidatenzahl, finden die beiden JSL-Vertreter, im Vergleich etwa zur christlich-sozialen Parteijugend, die gerade einmal sechs Kandidaten ins Rennen schickt. Wobei allerdings anzumerken ist, dass die Altersgrenze bei CSJ (33 Jahre) und JSL (35 Jahre) nicht die gleiche ist. Nicht immer gleicher Meinung sind die Jungsozialisten mit ihrer Mutterpartei. Wobei sie die Konfrontation aber auch nicht bewusst suchen. Bofferding hält es in diesem Punkt mit dem LSAP-Präsidenten: Autonom, aber nicht unabhängig trete die Parteijugend gegenüber der LSAP auf. Man teile die gleichen Werte, behalte sich aber in manchen Punkten das Recht vor, einen eigenen Standpunkt zu vertreten. Etwa, wenn es um das Wahlrecht ab 16 geht – ein Thema, für das die Jungsozialisten ebenso wie die JDL und die jungen Grünen eintreten. Auch wenn es sich dabei um eine uralte Forderung handelt, hat sie laut Schiltz dennoch das Prädikat „progressiv“ verdient. „Wir werden dafür kämpfen, bis wir uns durchgesetzt haben.“ Durchsetzen wollen sich die Jungsozialisten im bevorstehenden Wahlkampf auch gegen die Konkurrenz von links. Wobei sie Déi Lénk an sich nicht als ernst zu nehmende Wettbewerber empfinden.

Denn außer Protest hätte die Partei doch keine wirklichen politischen Alternativen zu bieten. Auch wenn es Christophe Schiltz begrüßt, dass die nationale politische Landschaft sich mit LSAP, KPL und Déi Lénk zunehmend nach links zu verschieben scheint.

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