Sport Veröffentlicht am 21.07.10 06:01

Andy Schleck: „Es geht um alles oder nichts“

Der Saxo-Bank-Profi gibt sich nicht nachtragend, sondern sehr selbstbewusst

Andy Schleck kannte einen verhältnismäßig ruhigen Tag.
Serge Waldbillig

Von Joe Geimer aus Pau

Man hatte sich ein Spektakel, ja ein wahres Feuerwerk auf dieser dritten Pyrenäen-Etappe erwartet. Doch dem sollte nicht so sein. Alberto Contador (E/Astana) und Andy Schleck (Saxo Bank) gingen gestern nicht zur Attacke über, sondern verschoben ihr nächstes Kräftemessen auf den morgigen Donnerstag.

Auch die vier sich auf dem Streckenplan befindenden Bergriesen konnten die Favoriten gestern nicht aus der Reserve locken. Lediglich auf den ersten wenigen Kilometern konnte man noch das Gegenteil hoffen. Im Peloton, genau wie auch im gesamten Tour-Tross, dominierte gestern eindeutig ein Thema: Die Attacke von Contador am Montag, in dem Moment als sein Rivale A. Schleck Opfer eines mechanischen Defekts wurde.

Die Meinungen blieben weiterhin gespalten. Dem Spanier war bereits kurz nach dem Ende der fraglichen Etappe sein Unbehagen deutlich anzusehen, noch am Abend entschuldigte er sich in einer im Internet publizierten Videobotschaft für sein Handeln. Gestern sah man ihn auch mit seinem 25-jährigen Luxemburger Rivalen diskutieren.

Andy, man konnte Sie im Gespräch mit Alberto beobachten. Was hat der Spanier Ihnen gesagt?

Er ist zu mir gekommen, hat sich für seine Aktion entschuldigt und somit ist diese ganze Sache für mich auch erledigt. Er ist sich seines Fehlers bewusst geworden und hat sich erklärt. Für mich war diese Tatsache ganz wichtig. Ich bleibe nämlich der Überzeugung, dass er sich nicht korrekt verhalten hat. Ich weiß, dass er seine Entschuldigung ernst gemeint hat und somit möchte ich auch nicht weiter über das Geschehene sprechen. Diese Etappe ist nun abgehakt. Ich weiß, dass ich vielleicht beim Publikum mehr Sympathien genieße als Alberto, dennoch ist es nicht schön wenn man einen Fahrer ausbuht und auspfeift. Ich möchte die Leute demnach bitten, dies in Zukunft zu unterlassen. Alberto ist ein großer Champion und diese Reaktion hat er sicherlich nicht verdient.

Wie verliefen die ersten Kilometer der Etappe aus Ihrer Sicht?

Zunächst einmal war ich relativ überrascht, dass sich Vinokourov in die erste Gruppe des Tages geschlichen hatte. Ich hatte meinerseits Probleme mit meinem kleinen Computer auf dem Fahrrad, musste den wechseln und bin aus der letzten Reihe ins Rennen gegangen. Diesen Fehler werde ich nicht noch einmal begehen, denn vorne ging die Post sofort ab und ich musste mich durch etliche Grüppchen kämpfen, bis ich ganz vorne war. Zum Glück konnte ich auf die Hilfe von Stuart O'Grady und Jakob Fuglsang bauen. Mir liegen diese schnellen Starts einfach nicht, ich benötige immer einige Zeit, um meinen Rhythmus zu finden. Die Beine fühlten sich zudem alles andere als gut an. Die Anstrengungen vom Vortag waren deutlich zu spüren und an den ersten beiden Bergen habe ich richtig gelitten.

Und wie würden Sie den weiteren Rennverlauf beschreiben?

Als die Ausreißergruppe sich gefunden hatte, wurde das Tempo im Peloton deutlich herausgenommen. Man kann sagen, dass wir dann doch langsam unterwegs waren und den Tourmalet in diesem Tempo absolviert haben. Anschließend ging es relativ gemütlich bis ins Etappenziel. Ich denke, die meisten Fahrer waren sehr glücklich mit dieser Maßnahme.

Der Luxemburger TdF-Fahrer durfte sich auf Unterstützung aus dem Großherzogtum freuen.
Serge Waldbillig

Die 16. Etappe haben Sie ohne Angriff verstreichen lassen. War dies von vorne herein so geplant?

Naja, das optimale Szenario wäre sicherlich ein anderes gewesen. Es hätte sich eine Gruppe absetzen müssen, die keinen derart großen Vorsprung herausfährt. Im Aubisque hätte ich dann meinerseits angreifen können und einen Rückstand von zwei, vielleicht drei Minuten aufholen können. Zusammen mit dieser Gruppe hätte ich eventuell das Ziel erreichen können. Doch der Radsport ist halt nicht immer genau planbar. Dieses Resultat ist aber keine Katastrophe.

Sie sind also mit dem Verlauf des Abschnitts zufrieden?

Ja durchaus, blöd ist nur, dass meine Teamkollegen Fabian Cancellara und Jens Voigt gestürzt sind. Sie scheinen aber beide mehr oder weniger ok zu sein. Das ist das Wichtigste.

Vor dem Einzelzeitfahren bleibt Ihnen nun noch eine einzige Gelegenheit, Ihren momentanen Rückstand auf Contador in einen Vorsprung umzuwandeln. Gefällt Ihnen diese Ausgangslage?

Am Donnerstag geht es um alles oder nichts. Entweder ich gewinne alles oder ich verliere einiges. Ich kann aber sehr gut mit dieser Voraussetzung leben, ja mir gefällt dieses Szenario sogar. Manchmal muss man im Leben auch etwas riskieren.

Mit welchem Vorsprung müssen Sie ins Einzelzeitfahren gehen, um eine realistische Chance auf den TdF-Gesamtsieg zu haben?

Ein Vorsprung von einer Minute würde mich zuversichtlich stimmen. Ich fühle mich gut und glaube an die Möglichkeit, dieses Ziel auch erreichen zu können. Ich weiß, dass ich in Form bin. Das ist momentan für mich unersetzbar.

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