(ham) - Bei der Nachricht des Busunglückes am Freitagmorgen in Frankreich werden wieder Erinnerungen an den schweren Unfall nahe Reims wach, bei dem im Juni 2007 drei Businsassen aus Luxemburg ums Leben gekommen waren. 14 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Knapp anderthalb Jahre sind seit dem Urteilsspruch gegen jenen Busfahrer vergangen, der bei der Verhandlung in Reims im Februar 2012 die Schuld für das Unglück auf sich genommen hatte. Das französische Zivilgericht hatte den damals 58-jährigen Portugiesen denn auch wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung für schuldig befunden. Die Strafe: Zweieinhalb Jahre auf Bewährung.
Der Mann war im Juni 2007 mit einem Bus an einer Baustelle rund 30 km vor Reims ungebremst in einen auf dem Pannenstreifen stehenden Lastwagen der französischen Autobahngesellschaft Sanef gefahren war. Zwei Schülerinnen und ein Lehrer waren an den Folgen der Kollision gestorben, 14 weitere Personen, darunter der Busfahrer selbst, wurden zum Teil schwer verletzt.
"Den Kindern eine Freude bereiten..."
Der Angeklagte gab auch unumwunden zu, dass seine Unachtsamkeit auf die DVD-Anlage zurückgeführt werden konnte: Sowohl die Begleitpersonen als auch die Schüler hätten mehrmals nach einem Film verlangt, weshalb er dem Druck nachgegeben habe. „Ich hatte mich nur kurz zur Seite gelehnt, um einen Knopf an der DVD-Anlage zu betätigen. Als ich wieder aufblickte, (...) war es schon zu spät“, erinnerte sich ein aufgewühlter Angeklagter vor Gericht.
Auf die Frage, warum er als Busfahrer kein Machtwort gesprochen habe, da man den Fahrer während der Reise nicht stören sollte, antwortete er, dass er den Kindern eine Freude haben bereiten wollen und sich dem Lehrer nicht widersetzen wollte. „Ich hätte ablehnen sollen, doch ich fand nicht den Mut dazu“, gab der ehemalige Busfahrer zu. Sowohl die Begleitpersonen als auch die Schüler hätten mehrmals nach einem Film verlangt, weshalb er dem Druck nachgegeben habe, so der ehemalige Busfahrer damals.
"Augen stets auf die Straße richten"
Als Berufsfahrer sei es seine Pflicht gewesen, die Augen stets auf die Straße zu richten und sich nicht von seiner Fahrt ablenken zu lassen, meinte Substitutin Marie Truchet in ihrem Schlussplädoyer. Der Untersuchungsbericht habe klar gezeigt, dass er unaufmerksam und unvorsichtig gehandelt habe. „Das Gesetz besagt, dass ein Fahrer jederzeit die Kontrolle über sein Fahrzeug behalten und sich den Straßenverhältnissen anpassen muss. Ihre Aufmerksamkeit hätte der Straße gelten sollen, doch das war nicht der Fall“, so Truchet gegenüber dem Mann.
In diesem Zusammenhang spricht das französische Recht von einer Gefängnisstrafe über fünf Jahren. Da der ehemalige Busfahrer aber seine Schuld einsah und Reue zeigte, forderte die Staatsanwaltschaft lediglich drei Jahre Haft auf Bewährung sowie ein lebenslängliches Berufsverbot. Das Urteil, das noch am gleichen Abend gefällt wurde, ist bekannt: zweieinhalb Jahren Haft auf Bewährung. Ein Berufsverbot konnte das französische Gericht aus Zuständigkeitsgründen aber nicht verhängen. Dafür seien die Luxemburger Behörden zuständig, erklärte die vorsitzende Richterin Odile Madrolle. Außerdem musste der heute 61-Jährige, der sich während der Verhandlung gleich mehrmals unter Tränen bei den Opfern und ihren Angehörigen entschuldigte, für die Schäden am Lastwagen der Autobahngesellschaft Sanef aufkommen.
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