International Veröffentlicht am 06.11.09 09:16

20 Fragen - 20 Antworten

Betraf die Grenzöffnung am 9. November zunächst nur Berlin?
ap

1. Was passierte am 9. November 1989 um 18.53 Uhr in Ost-Berlin?

SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski erläuterte auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin das neue DDR- Reisegesetz, nach dem Privatreisen ins Ausland ohne besondere Voraussetzungen möglich sein sollen. Auf die Frage, ab wann das gilt, stammelte Schabowski:„ Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort... unverzüglich.“ Die entscheidende Frage geht möglicherweise auf einen Tipp aus den Reihen der SED zurück. Der Chef der staatlichen DDR-Nachrichtenagentur ADN, Günther Pötschke, soll dem italienischen Journalisten Riccardo Ehrman geraten haben, nach der Reisefreiheit zu fragen. Diese Version wies Schabowski als„ völlig absurd“ zurück.

2. Wie ging es weiter an dem Abend?

Um 19.04 Uhr, elf Minuten nach Schabowskis historischem Satz, sandte die Deutsche Presse-Agentur dpa die Eil-Meldung:„ Von sofort an können DDR-Bürger direkt über alle Grenzstellen zwischen der DDR und der Bundesrepublik ausreisen.“ Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell, obwohl in den DDR-Medien über die offizielle Ankündigung hinaus zunächst nichts berichtet wurde. Erst als die Schlangen immer länger wurden, wurde als erster der Übergang an der Bornholmer Straße geöffnet. Um 23.54 Uhr hieß es in einer weiteren Meldung:„ Einige tausend DDR-Bürger haben sich am Donnerstagabend an den Ost-Berliner Grenzübergängen eingefunden, um nach West-Berlin zu gelangen. (...) Sie wurden von den DDR-Grenzern nach Vorzeigen des Personalausweises durchgelassen.“

3. Wann wurde die Mauer eingerissen?

Am 10. November. Am 9. November wurden einzelne Grenzübergänge geöffnet, angesichts der Menschenmengen musste oft nicht einmal ein Personalausweise an der Grenze vorgezeigt werden. Am 10. November wurde nachmittags vermeldet:„ Die Mauer bekommt Löcher - Neun neue Grenzübergänge“. Zunächst wurden am Potsdamer Platz Mauerabschnitte eingerissen.

4. Was versüßte den DDR-Bürgern die Ausreise in den Westen?

Das Begrüßungsgeld: Jeder DDR-Bürger erhielt im Westen einmalig 100 D-Mark. Dazu musste ein Ausweis vorgelegt werden. Das Geld wurde auch schon vor dem Mauerfall an Besucher gezahlt. Ende 1989 wurde es abgeschafft. In den West-Berliner Bezirksämtern war am 10. November der Andrang so groß, dass sich auch die 92 Filialen der Berliner Sparkassen an der Auszahlung beteiligten.

5. Wo war Kanzler Helmut Kohl, als die Grenze geöffnet wurde?

In Warschau. Der CDU-Vorsitzende äußerte sich zunächst sehr zurückhaltend, da er die Nachricht nicht so recht glaubte. Am Freitag, dem 10. November, reiste er nach West-Berlin, um zu den Menschen zu sprechen. Während seiner Rede gab es Buhs und Pfiffe.

6. Wie reagierte der Bundestag in Bonn?

Ebenfalls mit großem Erstaunen, als nach und nach die Sensation aus Berlin durchsickerte. Der Bundestag beendete am 9. November um 21.10 Uhr seine Sitzung mit der Nationalhymne.

7. Konnten DDR-Bürger einfach so die Grenze überqueren?

Zunächst regierte das Chaos, die Grenzposten ließen die Massen einfach passieren. Es reichte, den Personalausweis vorzuzeigen. Doch dann nahmen Mitarbeiter des Pass- und Meldewesens der DDR an den Grenzübergängen die Arbeit auf. Bei Vorlage eines Reisepasses sollte ein Visum zur mehrmaligen Ausreise für sechs Monate erteilt werden. Wer keinen Pass hatte, bekam ein Visum im Personalausweis.

8. Wollten nach dem 9. November viele DDR-Bürger im Westen bleiben?

Nein. Im Westen wurde berichtet, dass die meisten „Grenzgänger“ nur ihre neue Freiheit genießen wollten. Massen bummelten über den Ku„damm in West-Berlin, sahen sich Geschäfte an oder kamen mit fremden Menschen ins Gespräch.

9. Betraf die Grenzöffnung am 9. November zunächst nur Berlin?

Nein. Auch am nördlichsten Grenzübergang der Bundesrepublik zur DDR, in Lübeck-Schlutup, rollten DDR-Trabis in den Westen.„ Die meisten“ - so ein Zollsprecher - „wollen schnell nur in Lübeck ein Bier trinken und fahren anschließend wieder nach Hause in die DDR zurück.“

10. Wer war Zonen-Gaby?

Zonen-Gaby zierte das Titelbild der Satirezeitschrift Titanic im November 1989. Sie war auf dem Foto in eine Jeans-Jacke gehüllt und hielt eine Gurke in der Hand, die wie eine Banane geschält war. Daneben stand: „Zonen-Gaby (17) im Glück (BRD): Meine erste Banane.“ Gaby hieß tatsächlich Dagmar, stammte aus Worms und hatte sich für 300 Mark als Model zur Verfügung gestellt. Weltweit druckten Zeitungen das Motiv nach, das noch heute bei Berlin-Touristen als Postkarte ein Renner ist.

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