Lëtzebuerg Veröffentlicht am 12.01.11 21:30

12. Januar 2011: "Ich bin der größte Schweizer..."

Tagelang lieferten sich der Schweizer und der Luxemburger Politiker in den Medien ein Fernduell. Am Mittwochabend nun trafen sich Christoph Blocher und Jean-Claude Juncker in Zürich zum Streitgespräch.

Hoher Streit- und Unterhaltungswert. Fast 1000 Schweizer waren zum Streitgespräch ins Schauspielhaus gekommen.
Sabine Wunderlin

Von Marc Glesener

Christoph Blocher versus Jean Claude Juncker : Das war das Programm vom Mittwochabend im ausverkauften Züricher Schauspielhaus. Auf Einladung der Schweiz-Seiten von „Die Zeit“ lieferten sich die beiden politischen Alphatiere einen europapolitischen Disput.

Jean-Claude Juncker am Mittwochabend in Zürich.
Sabine Wunderlin
Man geht, man hat engagiert diskutiert und ist freundlich miteinander umgegangen. Das Politiker-Duell Schweiz-Luxemburg erregte auch in der Schweiz viel Aufmerksamkeit.
Sabine Wunderlin

Blocher: „Mich hat das an die Nazi-Rhetorik erinnert"

Sehr schnell kam es bei der Podiumsdiskussion zu dem Juncker-Interview und den Folgen auf „Teleblocher“. Hintergrund war ein „Zeit“-Interview Junckers. In diesem Gespräch hatte der Jean-Claude Juncker die Notwendigkeit einer europäischen Zukunft der Schweiz angemahnt. Juncker sprach unter anderem von einem weißen Fleck auf der europäischen Landkarte. Blocher, der starke Mann der Schweizerischen Volkspartei, rückte daraufhin die Rhetorik Junckers in die Nähe Hitlers und sprach gar von einer regelrechten Kriegserklärung.

Der Luxemburger Premierminister stellte am Mittwochabend in Zürich erneut klar, dass die EU-Mitgliedschaft der Schweiz Sache der Schweizer sei. "Ich bin der größte Schweizer, den es in Europa gibt", so Juncker. Blocher warf Juncker vor, er habe die Schweiz in dem ominösen Zeit-Gespräch als „geostrategisches Unding" und als „weißen Fleck auf der europäischen Landkarte" bezeichnet. Bei solchen Aussagen sei er sehr empfindlich, so der Rechtspopulist. „Mich hat das an die Nazi-Rhetorik erinnert." Hitler habe die Schweiz als freches Stachelschwein bezeichnet.

Juncker: "Liebeserklärungen versteht man im ersten Augenblick selten"

So dürfe man heute nicht miteinander reden, sagte Juncker und fügte hinzu, Hitler oder dergleichen zu zitieren, gehöre nicht zu seinem Repertoire. „Mein Land und meine Familie haben sehr gelitten unter dem Nazi-Regime", unterstrich der Premier. Im Interview habe er nur betonen wollen, dass er sich einen Beitritt der Schweiz zur EU wünsche. „Ich weiß aber gut, dass man Zurufe über den Zaun nicht braucht." Nicht in der Schweiz, nicht in Luxemburg.

Was Blochers Reaktion anbelangt, so habe dieser das Interview unkorrekt reflektiert. „Es war sehr schweiz-freundlich“, so Juncker. „Aber Liebeserklärungen versteht man im ersten Augenblick selten". Der EU, argumentierte der Premierminister, würde mit dem Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union „eine substanzielle Dosis an gesundem Menschenverstand eingeimpft werden“.

Blocher bleibt bei seinen Ansichten

Von einem Beitritt will Blocher nichts wissen. Das gefährde die direkte Demokratie und das ganze schweizerische System, in dem der Vordenker der nationalkonservativen SVP die richtige Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung sieht.

Fazit nach zwei Stunden angeregter Debatte: Für Blocher kommt eine Entschuldigung für seine Hitler-Aussagen nicht in Frage. Und er bleibt bei seinem radikalen europafeindlichen Kurs. Das überrascht niemanden. Auch Juncker nicht, der auf der Bühne in Zürich die Idealbesetzung in der Rolle des Botschafter Europas war.

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