Massaker von Sonnenburg

Großherzog Henri würdigt Erinnerungsarbeit in Slonsk

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Von John Lamberty (Slonsk)

Die Befreiung war so nah – Gerademal 35 Kilometer trennten die Rote Armee am 30. Januar 1945 noch von Sonnenburg, dem heutigen Slonsk, als der Befehl der Gestapo zur „Räumung“ des dortigen Zuchthauses erging, in dem Hitlers nationalsozialistisches Verbrecherregime zu diesem Zeitpunkt unter menschenunwürdigen Bedingungen rund 1.000 Widerstandskämpfer und Wehrmachtsverweigerer festhielt.

Das Todesurteil für 819 Häftlinge aus allen Ecken des vom NS-Terror heimgesuchten Europas, darunter auch für 91 junge Luxemburger Zwangsrekrutierte, die nun innerhalb weniger Stunden einfach kaltblütig hingerichtet wurden. Eine Gräueltat, die Großherzog Henri am Freitag in Slonsk im Rahmen einer ergreifenden Gedenkzeremonie zum 70. Jahrestag des Verbrechens in eine Reihe mit den fürchterlichen Massakern der deutschen Waffen-SS im französischen Oradour-sur-Glane oder auch sowjetischer Volkskommissare an polnischen Offizieren in Katyn stellte.

Das heute so friedliche Slonsk sei für Luxemburg damit zu einem der bedeutendsten Erinnerungsorte geworden, zu einem Ort, der für einen der dunkelsten Momente in der Geschichte des Landes und auch in ganz besonderem Maße für die Tragik der Zwangsrekrutierung stehe, so der Staatschef.

„Euer Engagement findet große Anerkennung in unseren Herzen!“

Im Beisein von Premierminister Xavier Bettel und Maciej Klimczak, dem Staatssekretär des polnischen Präsidenten Borislaw Komorowski, dankte Großherzog Henri denn auch Bürgermeister Janusz Krzyskow und allen Einwohnern von Slonsk für die wundervolle Hingabe, mit der sie das Gedenken an die Opfer von Sonnenburg aufrechterhielten. Eine Erinnerungsarbeit, die am Freitag mit der Eröffnung eines neuen Märtyrermuseums von Slonsk gar noch weiter vertieft wurde. „Euer Engagement findet große Anerkennung in unseren Herzen!“, so der Großherzog. Die Luxemburger „Fédération des enrôlés de force – Victimes du Nazisme“ (Fedef) um Präsident Erny Lamborelle nahm mit einer rund 30-köpfigen Delegation an den Gedenkfeierlichkeiten in Slonsk teil.

Großherzog Henri und Staatsminister Xavier Bettel legten am internationalen Denkmal für die Ermordeten auf dem Märtyrerfriedhof von Slonsk Blumen nieder.

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Neues Märtyrermuseum zu Ehren der Opfer eröffnet

Dort, wo Großherzog Jean bereits 1993 eine Gedenkplakette zu Ehren der in Sonnenburg getöteten Luxemburger Zwangsrekrutierten enthüllt hatte, gedachten sein Sohn Henri, Staatsminister Xavier Bettel und Fedef-Präsident Erny Lamborelle dann auch ganz besonders der 91 hingerichteten Luxemburger, an die vor Ort zudem ein eigenes Denkmal mit Namenstafel erinnert.

Im Laufe des Nachmittags wohnten die Gäste aus Luxemburg dann der feierlichen Eröffnung des neuen Märtyrermuseums von Slonsk bei. Die kleine, aber eindrucksvolle Ausstellungsstätte wartet unter anderem mit einem originalgetreuen Miniaturnachbau des ehemaligen Zuchthauses und einer Vielzahl von Dokumenten zum Massaker auf. Eine wahre Museumsperle, die bei einem Abstecher nach Polen auf jeden Fall zu besuchen sich lohnt.