Kritik an Reisegewohnheiten

Greenpeace-Manager: Mit dem Flugzeug zum Job

Greenpeace-Manager Pascal Husting handelte sich Kritik für seine Reisegewohnheiten ein.
Foto: Gerry Huberty

(vb) - Die Umweltorganisation Greenpeace ist bekannt für ihre spektakulären Kampagnen – unter anderem auch gegen Flugverkehr. Bei sich selbst nehmen es die Greenpeace-Manager anscheinend damit nicht so genau. Der Luxemburger Pascal Husting pendelte jahrelang mit dem Flugzeug nach Amsterdam.

Wo in Europa ein Flughafen erweitert oder eine Landebahn gebaut wird, ist Greenpeace zur Stelle. Die Aktivisten sind berühmt für ihre originellen Proteste unter anderem gegen den Ausbau des Großflughafens London-Heathrow und die Folgen der Flüge für den Klimawandel. Privat schätzen die Greenpeace-Manager dagegen die Annehmlichkeiten des Flugverkehrs.

Pascal Husting pendelt seit 2012 mit dem Flugzeug von seinem Wohnort Luxemburg nach Amsterdam, wo er in der Greenpeace-Zentrale die Abteilung „Internationale Programme“ leitet. Laut Recherchen der britischen Zeitung „Guardian“ fliegt Husting die 350 Kilometer zwei Mal im Monat hin und zurück. Die Kosten dafür – rund 250 Euro pro Einzelflug – bezahlt sein Arbeitgeber.

Der 53 Jahre alte Pascal Husting war Ende der 1990er Jahre Direktor von Greenpeace Luxemburg, von 2005 bis 2011 wurde er Direktor von Greenpeace Frankreich, bevor er zum Hauptsitz in Amsterdam berufen wurde.

Auf seine Reisegewohnheiten angesprochen, sagte Husting, er schätze die Zeit mit seiner Familie und seinen kleinen Kindern. Er würde lieber mit dem Zug nach Amsterdam reisen, doch hin und zurück dauere die Fahrt sechs Stunden.

Am Dienstag zeigten sich Greenpeace-Aktivisten entrüstet über die Politik an der Spitze der Organisation. Freiwillige beschwerten sich über die Reisegewohnheiten der Manager und die lockere Ausgabepolitik. Bereits vor vier Wochen war ein misslungenes Währungsgeschäft von Greenpeace bekannt geworden, bei der ein Angestellter 3,8 Millionen Euro Spendengelder verspekuliert hatte.

Pascal Husting reagierte am Dienstagabend auf die Vorwürfe und gelobte, ab September mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. „Es war eine Fehleinschätzung. Ich hätte von Anfang an den Zug nehmen sollen. Das werde ich in Zukunft machen“, sagte er in einer Reaktion auf die Presseberichte.

Greenpeace Luxemburg weist in einer Stellungnahme auf die interne Regelung hin, keine Kurzflüge zuzulassen. Die Direktorin Marieke Kremers warb aber auch um Verständnis für Husting und seine Familie. Greenpeace Luxemburg gibt 18 Prozent des Jahres-Bruttoeinkommens an Greenpeace International ab. 2011 waren das 175 000 Euro.