Befristetes Jagdverbot

Auch Füchse haben Gefühle

"Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle haben und Schmerz empfinden": Staatsskretär Camille Gira verteidigt das von der Regierung beschlossene Verbot der Fuchsjagd.
Foto: Claire Thill

(CBu) - Nach der Ankündigung eines Verbots der Fuchsjagd kochten die Gefühle hoch. Jetzt bezieht der zuständige Staatssekretär im Nachhaltigkeitsministerium, Camille Gira (Déi Gréng), Stellung und verteidigt die Maßnahme mit grundsätzlichen Argumenten. Es gebe aktuell "keinen objektiven Grund", Füchse zu jagen, sagte Gira auf einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen. Die geschossenen Füchse hätten "quasi keine nützliche Verwendung" mehr, sei es als Nahrung oder als Pelz. Zudem sei die Tollwut bereits seit über zehn Jahren "ausgemerzt".

Auch die anderen Argumente einiger Jäger lässt der Staatssekretär nicht gelten. Im Gegenzug basiert er seine Begründung des zunächst auf ein Jahr (ab Ende 2015) befristeten Verbots auf Studien und Statistiken, die zeigen würden, dass der Bestand an Füchsen im Land rasant zurückgeht. Diese Bestandsaufnahme sei das zentrale Argument für die - zumindest zeitweise - komplette Einstellung der Fuchsjagd im Land.

Starker Rückgang des Fuchsbestandes

Der Rückgang des Fuchsbestandes sei ein nicht zu bestreitender Fakt, ergänzt Laurent Schley von der Natur- und Forstverwaltung. In den vergangenen 15 Jahren sei die Anzahl von geschossenen Füchsen von 5802 auf 2504 Füchse, also um 57 Prozent, zurückgegangen. Auch wenn die Anzahl der getöteten Tiere nicht direkt und zu 100 Prozent mit der Entwicklung des Gesamtbestandes übereinstimmt, seien sich alle Experten einig, dass diese Zahl die Problematik am besten verdeutlicht.

Doch über die nackten Zahlen hinaus argumentiert Staatssekretär Gira auch mit den Argumenten des Tierschutzes. Er sei dagegen, "jedes Jahr rund 3.000 dieser sympathischen Lebewesen abzuschießen und dann in die Mülltonne zu schmeißen". Die Leitlinie der Regierung sei demnach auch, eine "andere Umgangsweise mit Tieren" zu fördern, die einer "aufgeklärten Gesellschaft im 21. Jahrhundert gerecht wird". "Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle haben und Schmerz empfinden", sagt Gira.

Generelle Reform der Jagdbestimmungen

Man habe dennoch lange und im Detail über diese Frage diskutiert. Er habe sich die Entscheidung für das Verbot nicht leicht gemacht, so Gira. Die Hauptargumente (1. "dramatischer" Rückgang des Bestandes, 2. "Fuchsfleisch wird nicht gegessen" und die Fuchsjagd liefert auch sonst keinen Nutzen für die Allgemeinheit, 3. Die Tollwut-Gefahr ist nicht real) hätten ihn aber schließlich zur Auffassung gebracht, den Fuchs aus der Liste der jagbaren Tiere herauszunehmen.

Die Regierung hat zudem weitere Maßnahmen beschlossen. So soll es zwischen dem 1. März und dem 15. April künftig ein komplettes, allgemeines Jagdverbot in den Wäldern geben. Die einzige Ausnahme bildet die Jagd von Wildschweinen "in der Ebene", also außerhalb des Waldes. An einer Stelle kommt man laut Gira aber auch den Jägern entgegen, nämlich im Fall der Verlängerung der Rehjagd von Mitte September bis Mitte Oktober, allerdings nur vom Hochsitz aus.