Trennungsursache Besessenheit

Der Satan als Scheidungsgrund

Im Scheidungsurteil konnte außer dem Leibhaftigen persönlich kein Schuldiger gefunden werden.
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(D.S.) - Einleitend muss festgehalten werden, dass das Scheidungsverfahren vor einem Mailänder Gericht durchgeführt worden ist – und nicht etwa im (angeblich) immer noch rückständigen und abergläubischen Süditalien. Die Feststellung ist wichtig, weil die Richter in der Finanz- und Wirtschaftsmetropole ein bemerkenswertes Urteil gefällt haben: Der Teufel existiert. Im vorliegenden Fall war Satan der Scheidungsgrund.

Die Scheidung eingereicht hatte laut der Zeitung „Corriere della Sera“ der Ehemann. Als Grund, das an sich unauflösliche Band der Ehe zu zerschneiden, nannte er die „Besessenheit“ seiner Frau. Die Präsenz der Dämonen äußere sich seit etwa zehn Jahren in „fürchterlichen Zuckungen“ und „plötzlicher Starrheit“; mitunter werfe sich seine Frau in der Kirche zu Boden, wälze sich dort und hebe dann mit nur einer Hand schwere Kirchenbänke in die Luft. Bei anderen Gelegenheiten scheine sie über dem Kirchenboden zu schweben.

Prüfung durch Geistlichen

Vor der Scheidungsklage hatte der Ehemann zunächst einen offiziellen Exorzisten der Diözese Mailand und dann auch noch einen qualifizierten Kapuzinermönch beigezogen. Die Behandlung durch die Teufelsaustreiber dauerte mehrere Jahre, blieb aber erfolglos. Der Kapuzinermönch zeigte sich vor Gericht beeindruckt von den „Poltergeist-Phänomenen“, die er mit eigenen Augen gesehen habe. Die Verhaltensauffälligkeiten der Frau wurden auch von Familienangehörigen bestätigt. Die Frau dagegen erklärte, sie wolle sich zu den Ereignissen nicht äußern.

Die Mailänder Zivilrichter haben sich selbstverständlich nicht allein auf die Expertisen der Exorzisten verlassen. Zu Rate gezogen wurden auch ein Allgemeinmediziner und ein Psychiater, doch auch die Ärzte konnten für die „ungewöhnlichen Anfälle“ der Patientin keine medizinischen Gründe ausfindig machen. Nach eingehenden Untersuchungen und Tests konnten sie lediglich feststellen, dass die Frau weder an einer physischen noch an einer psychiatrischen Krankheit leide, „welche die beobachteten Phänomene erklären könnten“. Es gebe aber auch keine Anzeichen dafür, dass die Frau etwas vorspiele.

Das Gericht konnte deshalb nicht anders, als im Urteil eine „religiöse Besessenheit“ und „unerklärliche Phänomene“ festzustellen. Die Schuldfrage, die im italienischen Scheidungsrecht immer noch eine zentrale Rolle spielt, schien damit geklärt: Der Mann kann nichts für die Zerrüttung der Ehe. Allerdings, räumte das Gericht ein, könne man auch der Frau keinen Vorwurf machen, da sie ihre Anfälle und Krämpfe ja nicht durch ihren Willen zu steuern vermöge. Die Schlussfolgerung steht zwar nicht explizit so in der Urteilsbegründung, liegt aber auf der Hand: Schuld an der Zerrüttung und der Scheidung der Ehe trägt der Leibhaftige persönlich.