Königlicher Schwiegersohn wegen Finanzaffäre vor Gericht

44-Jähriger soll Millionen von Steuergeldern veruntreut haben

Inaki Urdangarin, der Ehemann der spanischen Prinzessin Christina, auf dem Weg zum Gericht. Foto: Ballesteros
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(dpa) - Unrühmliche Premiere in der Geschichte der spanischen Monarchie: Zum ersten Mal hat ein Angehöriger des Königshauses im Zuge eines Finanzskandals vor Gericht erscheinen müssen. Iñaki Urdangarín, Schwiegersohn von König Juan Carlos, beteuerte am Samstag vor seiner Vernehmung in Palma de Mallorca seine Unschuld.

"Ich bin gekommen, um die Wahrheit zu klären und meine Ehre wiederherzustellen", sagte der Ehemann der Königstochter Cristina (46) vor Journalisten. Der 44-jährige frühere Handballstar steht im Verdacht, Millionensummen von Steuergeldern veruntreut zu haben. Er soll als Chef einer gemeinnützigen Stiftung staatliche Fördergelder kassiert und einen Teil davon auf private Konten abgezweigt sowie in Steuerparadiese ins Ausland geschafft haben.

Die finanziellen Entscheidungen, die er getroffen habe, seien korrekt und transparent gewesen, sagte Urdangarín. Vor dem Gericht demonstrierten etwa 500 Menschen gegen Korruption und gegen die Monarchie. Der königliche Schwiegersohn hatte von dem Gericht die Genehmigung erhalten, mit dem Auto bis zum Eingang des Gebäudes vorzufahren. Normalerweise müssen Beschuldigte eine Strecke von gut 30 Metern zu Fuß zurücklegen.

Urdangarín nahm die Sonderregelung jedoch überraschenderweise nicht in Anspruch. Er schritt zusammen mit seinem Anwalt an TV-Kameras und Fotografen vorbei zum Gerichtseingang. An einer Gruppe von Journalisten hielt er an und gab eine knappe Erklärung ab.

Bei seiner Vernehmung durch den Ermittlungsrichter José Castro wirkte der 44-Jährige ruhig und gefasst. Wie aus Justizkreisen verlautete, bestätigte er Informationen des Königshauses, wonach König Juan Carlos (74) seinen Schwiegersohn im Jahr 2006 aufgefordert hatte, die Geschäftstätigkeit aufzugeben. Die nicht öffentliche Vernehmung des Herzogs von Palma zog sich über mehrere Stunden hin. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks RNE wurde nicht ausgeschlossen, dass das Verhör am Sonntag fortgesetzt wird.