Zugunglück bei Bettemburg

Zugführer hatte Stoppsignal überfahren

Der Zusammenstoß ereignete sich in der Nähe von Bettemburg in Richtung Zoufftgen.
Foto: Michel Thiel

(TJ/vb) - Am Dienstagmorgen, kurz vor 9.00 Uhr, kollidierten zwischen Bettemburg und Zoufftgen ein Personen- und ein Güterzug. Der Lokführer des TER in  Richtung Thionville überlebte den schweren Zusammenstoß nicht. Seine Leiche wurde gegen 17 Uhr aus dem Wrack geborgen. Der Lokführer des Güterzugs konnte sich in den hinteren Teil der Lok retten und überlebte das Unglück. Die Schaffnerin im Regionalzug kam mit leichten Verletzungen davon. Hinweise auf weitere Verletzte gibt es laut Polizei nicht. Am Abend wird versucht, die beiden Züge auseinander zu ziehen.

Am Dienstagnachmittag teilt die CFL mit, dass der luxemburgische Lokführer des TER das Stoppsignal vor einer Weiche überfahren hat. Wie dies geschehen konnte, bleibt Gegenstand von weiteren Ermittlungen.

Minister Kersch hob bei einer Pressekonferenz die vorbildliche Arbeit der Rettungsdienste hervor: Ein Krisenstab habe ab 10 Uhr die Rettungsarbeiten geleitet. Der "Plan nombreuses victimes" sei nicht ausgelöst worden, weil sich schnell herausgestellt habe, dass weniger als zehn Verletzte zu beklagen seien. Zwischen 60 und 70 Retter waren vor Ort im Einsatz. Besonders gefordert seien die Rettungsmannschaften gewesen, weil lange Zeit nicht gewusst war, ob sich weitere Verletzte in dem völlig zerstörten Triebwagen befunden hätten.

Sofort nach dem Zusammenstoß meldete die französische Schaffnerin aus dem Personenzug das Unglück bei der Zugleitstelle in Bettemburg. Von dort aus wurde Großalarm der Verwaltung der Rettungsdienste ausgelöst. Die Schaffnerin war nur leicht verletzt und konnte den Ermittlern erste Erkenntnisse liefern. Ihren Aussagen zufolge hätten im völlig zerstörten vorderen Teil des Triebwagens keine Personen gesessen. Dennoch war die Polizei zunächst damit beschäftigt, per Kamera in sämtliche Hohlräume des Wracks zu sehen. In diesem Sinne, so Minister Bausch könne man eine provisorische Bilanz von einem Toten und zwei Verletzten ziehen. Laut Aussagen der Schaffnerin  seien in Bettemburg zahlreiche Reisende ausgestiegen.

Über die Unglücksursache wollte man noch keine Angaben machen. Es sei noch zu früh, Rückschlüsse zu ziehen. Auch wollten die Minister und die CFL-Verantwortlichen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht dazu äußern, welcher der beiden Züge auf der "falschen" Spur unterwegs war.

Noch kein ETCS am Unglücksort

An dieser Stelle verkehren die Züge ohne das moderne europäische Signal- und Zugbeeinflussungssystem „European Train Control System“ (ETCS), obwohl Strecke und Rollmaterial damit ausgestattet sind.  Das System muss noch abgenommen werden. Wieso das Vorgängersystem „MEMOR II +“ den Unfall nicht verhinderte und ob ETCS die potenzielle Kollision hätte erkennen können, muss sich zeigen. 

Wie schnell die Unglückszüge fuhren, ist Gegenstand der Ermittlungen. Erlaubt sind an dieser Stelle 140 km/h. Der Zusammenstoß ereignete sich in unmittelbarer Nähe zu zwei Weichen, die die beiden Gleise miteinander verbinden. Ob die Weichen in Zusammenhang mit dem Unfall stehen, ist ebenfalls ungewiss.

Die Bergung der sechs verletzten Passagiere gestaltete sich als schwierig.
Foto: Polizei

Was ist genau geschehen?

Das Zugunglück ereignete sich zwischen dem Rangierbahnhof Bettemburg und der französischen Grenze bei Zoufftgen, in Höhe des Husky-Werks (siehe Karte unten).  

Der Personenzug mit der Nummer TR88807 war um 8.30 Uhr in Luxemburg mit Zielbahnhof Thionville abgefahren und kurz hinter der Ortschaft Bettemburg mit dem in Richtung Luxemburg fahrenden Güterzug mit der Nummer 4980  kollidiert. Dieser war aus 27 Wagen zusammengesetzt und hatte eine Länge von 300 Meter. Er war 600 Tonnen schwer.

Der Güterzug war mit zwei schweren Elektroloks bespannt, so dass der erste Wagen des Personenzugs den Großteil der Energie auffangen musste und dabei fast völlig zerstört wurde. Der Lokführer des Triebwagens  wurde eingeklemmt und dabei tödlich  verletzt. Mehr Glück hatte der Lokführer aus dem Güterzug: Er wurde nur leicht verwundet. Der Mann konnte sich vor dem Zusammenprall in den hinteren Teil seiner Lok retten.

Scheinbar weil man sicher gehen wollte, dass nicht noch weitere Personen im Zug eingeklemmt waren, setzte man ab dem späten Vormittag auch Suchhunde ein. Vor Ort wurde ein „Poste médical avancé“ eingerichtet.

Mehrere Güterwagen waren bei dem Zusammenprall aus den Schienen gesprungen. Dies bedingt, dass die komplette Strecke unpassierbar war und für voraussichtlich 48 Stunden gesperrt bleibt. Dies bezieht sich auf die Linie 90 (Luxemburg-Frankreich). Zwischen Luxemburg und Esch-Alzette rollten die Züge am späten Dienstagmorgen wieder.

Alle Fotostrecken

Gegen 10.30 Uhr begannen die Räumungsarbeiten mit schwerem Gerät der CFL und des Zivilschutzes. Unterdessen trafen auch französische Ermitttler am Unglücksort ein. Zusammen mit ihren luxemburgischen Kollegen begannen sie mit der Erforschung der Unfallursache. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde die Spurensicherung der Polizei mit einer Untersuchung beauftragt.

Massive Störungen

Wegen des Unglücks kommt es zu massiven Störungen im Zugverkehr nach Frankreich. Die Zugstrecken nach Frankreich (Linie 90)  und nach Esch/Alzette (Linie 60) sind voraussichtlich für bis zu 48 Stunden unterbrochen. Ersatzbusse verkehren zwischen Bettemburg und Hettange-Grande (Linien 323 und 302). Auch die TGV-Verbindungen sind betroffen. 24 Ersatzbusse und vier Extrazüge (via Petingen und Rodange) verkehren zwischen Luxemburg und Thionville. Wegen des Einsatzes sind ebenfalls die Straßen um den Unglücksort  für jeglichen Verkehr gesperrt.

Der Doppelstock-Triebwagen wurde bei der Kollision schwer beschädigt.
Foto:Polizei

Der Vorfall ruft Erinnerungen an das Zugunglück von Zoufftgen 2006 wach. Damals waren ebenfalls ein Passagier- und ein Güterzug zusammengestoßen, und zwar unmittelbar an der luxemburgisch-französischen Grenze. Bei dem Zusammenstoß wurden sechs Menschen getötet und zwei schwer verletzt.

Die beiden Unglücke ereigneten sich nur 1,4 Kilometer voneinander entfernt: