Stress am Arbeitsplatz: Jeder Fünfte nah am Burn-out?


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(mig) - Auf Anfrage der LSAP beschäftigte sich das Parlament am Mittwoch mit dem Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Die LSAP zeigte sich in ihrer Motion zum Thema besorgt über die Entwicklung der Phänomene Burn-out und Mobbing. Phänomene, die EU-weit und auch in Luxemburg für immer mehr Krankmeldungen sorgen, und die Betroffenen, die Wirtschaft und die Sozialsysteme belasten. In einer Orientierungsdebatte diskutierten die Fraktionen über Ursachen, Lösungen und mögliche Anpassungen der augenblicklichen Gesetzgebung. Arbeitsminister Nicolas Schmit sprach sich für ein Anti-Mobbing-Gesetz aus.

Immer mehr Arbeitnehmer leiden unter Stresssymptomen. Die Ursachen: wirtschaftliche Schwierigkeiten, zunehmender Leistungsdruck, häufige strukturelle Veränderungen in den Unternehmen, steigende Arbeitslosigkeit, Angst vor Arbeitsplatzverlust und viele mehr. Studien belegen, dass immer mehr Krankmeldungen auf Berufsstress zurückzuführen sind.

Phänomene nicht neu

Schuld daran sind laut Robert Weber, CSV-Abgeordneter und ehemaliger Gewerkschaftsboss, die Betriebe, die den Arbeitnehmern immer mehr Leistung abverlangen und diese Leistung noch nicht einmal würdigen. Er sprach sich für eine Verschärfung der Gesetzgebung aus: mehr Schutz für Arbeitnehmer und mehr Mitbestimmung in den Unternehmen.

Die Phänomene Mobbing und Burn-out sind keinesfalls neu. 2001 wurde die Vereinigung „mobbing asbl“ ins Leben gerufen, das Gesundheitsministerium zeichnet Betriebe aus, die sich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter bemühen, 2009 unterzeichneten die Sozialpartner eine Konvention zur Eindämmung des Mobbing-Phänomens, und die Arbeitnehmerkammer ist mit Publikationen, Konferenzen und Weiterbildungen sehr aktiv.

Seit 2009 gibt es das Observatoire de l'absentéisme, „eine Struktur, die nach Ursachen sucht, wenn in Betrieben auffallend viele Mitarbeiter krankgemeldet sind“, so Arbeitsminister Nicolas Schmit, „nicht, um zu kontrollieren, sondern um den Betrieben zu helfen“. Nach Ansicht von LSAP-Fraktionschef Lucien Lux reichen diese Initiativen nicht aus. Er forderte die Regierung auf, das Phänomen Mobbing in die Gesetzgebung aufzunehmen, „weil sich Dinge erst ändern, wenn es eine gesetzliche Basis gibt und Sanktionen drohen“.

Anti-Mobbing-Gesetz

Arbeitsminister Nicolas Schmit ist für ein Anti-Mobbing-Gesetz, allerdings nur in Verhandlung mit den Sozialpartnern. Er möchte den im Jahr 2002 von der LSAP vorgelegten Gesetzesvorschlag wieder hervorholen und prüfen. DP-Sprecher André Bauler sieht keinen Grund für ein Anti-Mobbing-Gesetz, ein solches Gesetz könne sogar zur Verschleierung von Fakten verleiten. Er zieht andere Methoden vor, z. B. die betriebliche Mediation, und spricht sich für die Ausarbeitung einer nationalen Strategie zur Verbesserung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz aus.

Er schlug aber vor, die Gesetzgebung von Ländern wie Schweden oder Frankreich auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Nach Ansicht der grünen Abgeordneten Josée Lorsché beschränkt sich die aktuelle Gesetzgebung zu sehr auf die Sicherheit als Wohlfühlfaktor am Arbeitsplatz. Sie forderte, dass der psycho-sozialen Dimension des Wohlbefindens einen größeren Stellenwert beigemessen wird, z.B. durch den Einsatz von Arbeits- und Betriebspsychologen.

Das Prinzip der Gleichheit verlange, dass alle Arbeitnehmer von Verbesserungsmaßnahmen profitieren. Das gesetzlich zu regeln, sei Aufgabe der Regierung.

Stress, Mobbing, Burn-out: Fakten und Zahlen

LSAP-Fraktionschef Lucien Lux beschrieb u.a. anhand von Zahlen, wie sich Stress auf die Gesundheit der Arbeitnehmer niederschlägt:

  • 40 Prozent der Beschäftigten in Luxemburg gaben an, unter Stress zu leiden (TNS/Ilres 2010), 20 Prozent gaben an, nah am Burn-out zu sein,
  • Fünf Prozent werden mit einem Antidepressivum behandelt (EU-Durchschnitt 7 Prozent, europ. Studie),
  • Bei jeder dritten Anfrage auf eine Invalidenrente wird als Ursache eine psychische Erkrankung angegeben (OECD-Studie),
  • 12 Prozent der Krankenscheine gehen über einen Zeitraum von zehn Tagen hinaus (EU: 6 Prozent),
  • 15 Prozent der Langzeitkrankenscheine (> 21 Tage) haben als Ursache eine psychische Erkrankung,
  • Langzeit-Krankenscheine machen 50 Prozent der Ausgaben der Gesundheitskasse aus.

Angaben der Vereinigung „mobbingasbl“ (2011): 11 400 Arbeitnehmer sind Mobbing-Opfer (9 Prozent der arbeitenden Bevölkerung), 52 Prozent von ihnen werden sofort krankgeschrieben (im Schnitt 37 Tage).

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