Prozess wegen mutmaßlicher Vergewaltigung

39-Jähriger riskiert zehnjährige Haftstrafe

Das Urteil ergeht am 15. März.
Foto: Marc Wilwert

(SH) - "Ich habe nie ein Kind angefasst." Agostino R. stritt während der Verhandlung jegliche Vorwürfe, die gegen ihn gerichtet sind, ab. Der 39-Jährige muss sich vor Gericht verantworten, weil er zwischen 2005 und 2009 einen Jungen sexuell missbraucht haben soll.

So soll es zwischen dem Angeklagten und dem Sohn der Schwester seiner damaligen Frau mehrmals zu sexueller Penetration sowie zu Oralsex gekommen sein. Auch soll Agostino R. dem Jungen, der zur Tatzeit zwischen sechs und zehn Jahre alt war, pornografische Filme gezeigt haben.

Dies hatte die Mutter des Kindes der Polizei im Februar 2014 berichtet. Dass die Anzeige fast fünf Jahre nach dem Ende der Tatzeit erfolgte, erklärte sie damit, dass der Junge sich ihr erst 2013 anvertraut hatte. "Er wollte nicht, dass es zu einer Anzeige kommt. Ich hatte dies zunächst respektiert", erklärte die 36-Jährige vor Gericht.

Keine Gewalt, kein Hass

Zu den Vorfällen soll es in der Wohnung des mutmaßlichen Täters gekommen sein. Der Junge soll sich dort öfters aufgehalten haben, während seine Mutter arbeitete. Er hatte sowohl von Vorfällen auf der Toilette als auch in der Badewanne und im Bett gesprochen.

Auch soll ihm Agostino R. Pornofilme gezeigt haben, in dem nur Männer zu sehen waren, wenn der Junge keine Lust mehr auf sexuelle Spiele gehabt hätte. Zu Gewalt sei es hingegen nie gekommen, hatte er während der polizeilichen Vernehmung betont.

Einer Psychologin zufolge seien die Aussagen des Jungen glaubwürdig. Der Junge empfinde jedoch keinen Groll gegen den Angeklagten. Vielmehr sehe er ihn als einen lieben Menschen, der für ihn da war, als er alleine war und ihm Geschenke machte. Zudem fühle sich der Junge schuldig, weil er während der Übergriffe Spaß empfunden habe. Er habe daraufhin einen Selbsthass entwickelt, hätte gar Selbstmordgedanken gehabt.

Verteidiger kritisiert Untersuchung

Auch der Angeklagte sprach von einem guten Verhältnis, das zwischen ihm und dem Jungen herrschte. Auch am zweiten Verhandlungstag wies er jegliche Vorwürfe von sich. Er habe Geschlechtsverkehr mit Frauen gehabt, sicherlich aber nicht mit Kindern. Zudem sei dies auch nicht möglich gewesen, da sich im Haus immer mehrere Personen aufhielten. Er könne sich nicht erklären, warum der Junge ihn beschuldige.

Während der Untersuchung hatte er von einem möglichen Racheakt gesprochen. Zudem soll er gesagt haben, dass Mutter und Sohn sich wohl einen finanziellen Vorteil von einer möglichen Verurteilung versprechen würden.

Dies wies der Anwalt der Beiden ab. Mutter und Sohn bräuchten das Urteil vielmehr, um mit der Sache abzuschließen. Als Schadenersatz forderte er lediglich den symbolischen Euro sowie die Rückerstattung der Kosten für die psychologische Betreuung des Jungen.

Der Verteidiger des Angeklagten betonte, dass die Untersuchung mangelhaft sei. So seien zum Beispiel weder der Cousin des mutmaßlichen Opfers, der bei den Sexspielen in der Badewanne anwesend gewesen sein soll, noch der Geistliche, dem sich der Junge als Erster anvertraute, gehört worden.

Auch sei nicht hinterfragt worden, was der Junge vor seiner Ankunft in Luxemburg erlebt hatte. Die brasilianische Mutter war 2003 nach Luxemburg gekommen. Ihr Sohn war ihr jedoch erst ein Jahr später gefolgt. Die Kindergärtnerin hätte gleich zu Beginn ein auffälliges und anhängliches Verhalten festgestellt.

Zehnjährige Haftstrafe gefordert

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft schenkte den Aussagen des mutmaßlichen Opfers Glauben. Er habe die Geschichte nicht nur einmal erzählt, sondern sowohl vor dem Geistlichen, als auch vor der Mutter, der Polizei und der Psychologin.

Der Junge habe zudem keine Sekunde daran gezögert, wer für die Übergriffe verantwortlich war. Da er Spaß empfunden hatte, habe er zunächst die Schuld bei sich gesucht. Erst Jahre später habe er gemerkt, dass an den Taten etwas falsch war.

Obwohl die mutmaßlichen Übergriffe auf die Zeitspanne von Ende 2005 bis Ende 2009 zurückgehen, seien sie nicht verjährt, betonte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft weiter.

Sie forderte eine Haftstrafe von zehn Jahren, wovon zumindest ein Teil ohne Bewährung erfolgen soll. Das Urteil ergeht am 15. März.

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