Nach dem Zugunfall von Bettemburg

Ursachenforschung und Aufräumarbeiten

Die Bergungsarbeiten am Unfallort sind im vollen Gange.
Pierre Matgé

(TJ/mth) - Einen Tag nach dem Zugunfall von Bettemburg drängt sich mehr und mehr die Frage auf, wie es zu der fatalen Kollision kommen konnte. Haben die Sicherheitssysteme versagt? Ist die Strecke mit dem in die Jahre gekommenen "Memor 2+"-System nicht ausreichend gesichert?

Aufschluss wird erst die Auswertung der relevanten Daten bringen. CFL-Generaldirektor Marc Wengler betonte im RTL-Interview am Mittwochmorgen, man könne noch immer nicht mit Bestimmtheit sagen, was zu dem fatalen Zusammenstoß geführt hat.

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Die Daten, beispielsweise über die gefahrenen Geschwindigkeiten usw. seien von den Ermittlern beschlagnahmt worden und müssten erst aus den Fahrtenschreibern der Zugmaschinen ausgelesen werden. An den Experten sei es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Festzustehen scheint indes die Tatsache, dass das Signal am Ausgang von Bettemburg auf "Halt" geschaltet war und demzufolge das Sicherheitssystem "Memor2+" den Zug bereits ab dem Vorsignal auf eine Maximalgeschwindigkeit von 60 km/h abgebremst haben und spätestens beim Überfahren des Hauptsignals eine Notbremsung hätte auslösen müssen.

Wie der Zug das Hauptsignal passieren konnte, ohne dass die Nothaltefunktion den Zug zum Stehen brachte ist unklar. Wengler bestätigte, dass eine automatische Notbremsung für den Fall dass ein Lokführer das "Rot" übersieht, vorgesehen ist. Allerdings, so der Generaldirektor "beweise der Zusammenstoß, dass eine solche nicht eingeleitet wurde". Die große Frage bleibt demnach, wieso "Memor 2+" nicht gegriffen hat.

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Vor Ort

Am frühen Mittwochmorgen wurden die Räumarbeiten am Unfallort fortgesetz, die bereits am Dienstagabend begonnen hatten. Laut einem provisorischen Zeitplan sollen die Arbeiten mindestens bis Freitag andauern.

Die Räumung des Unfallorts gestaltet sich schwierig, wie CFL-Sprecher Mike Van Kauvenberg am Mittwochmorgen auf Nachfrage erklärte: "Erst muss das beschädigte Rollmaterial entfernt werden, dann müssen wir die Gleise auf wahrscheinliche Schäden untersuchen und reparieren".

Ein zeitaufwändiges Unterfangen, da der Unfall genau auf Höhe einer Weiche passiert ist, so dass die Reparaturarbeiten sich nicht auf das Ersetzen von Gleisen beschränken werden.

Zudem müssen am Unfallort die Oberleitungen und die zugehörigen Portalmasten abmontiert werden, da sich die Wracks des zerstörten Rollmaterials zum Teil genau darunter befinden, was die Arbeiten behindert.

Schwere Lasten müssen bewegt werden

Bei der Bergung des Rollmaterials werden zwei Schwerlastkräne eines luxemburgischen Unternehmens eingesetzt, die eine theoretische Maximallast von 300 bzw. 250 Tonnen heben können. Diese sind nötig, um die beiden rund 90 Tonnen schweren Lokomotiven sowie die entgleisten Waggons von den Schienen zu entfernen.

Die Lokomotiven werden in zwei Teilen geborgen, einem oberen Wagenkasten, der rund 60 Tonnen wiegt, sowie den 30 Tonnen schweren so genannten "Bogies", also dem eigentlichen Fahrgestell, das aus den Radsätzen in einem gegenüber dem Wagenkasten drehbaren Rahmen besteht.

Das nicht mehr fahrtüchtige Rollmaterial soll dann mit speziellen Tiefladern auf dem Straßenweg ins CFL-Zentralatelier nach Luxemburg gebracht werden.

Bereits am Mittwoch verursachte die Sperrung der CR 161, der einzigen Zugangsstraße zur Industriezone "Riedchen", größere Verkehrsbehinderungen an der Autobahnausfahrt Düdelingen Zentrum, da nur Mitarbeiter der CFL sowie der dort angesiedelten Unternehmen passieren durften.

Im morgendlichen Berufsverkehr bildete sich zeitweise ein Rückstau bis auf die A3 in Richtung Frankreich. Die Polizei kontrolliert nach wie vor die Zugangswege zum Unfallort, auch während der Nacht wurde das Areal überwacht.

Der Abtransport des Rollmaterials dürfte in den kommenden Tagen weitere Verkehrsbehinderungen verursachen. Die unbeschädigte Hälfte des CFL-Triebwagens wurde bereits am Dienstagabend von dem zerstörten Vorderteil getrennt und auf dem Schienenweg abgeschleppt.

Ein Großteil des Güterzugs ist offenbar kaum beschädigt und dürfte ebenfalls auf den Gleisen abgeschleppt werden.

Details am Donnerstag

Die nationale Eisenbahngesellschaft wird am Donnerstagmorgen um 10 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz weitere Details zum Unglück und den Bergungsarbeiten mitteilen. Der Zugverkehr auf der betroffenen Strecke soll laut CFL frühestens am Freitag wieder aufgenommen werden.