Bommeleeër: Zeuge Kramer als Lügner entlarvt?

Familie widerspricht den Aussagen des deutschen Zeugen

Andreas Kramer hatte sich bei seinen Ausführungen im Zeugenstand vor der Kriminalkammer mehrmals in Widersprüche verfangen.
Foto: Anouk Antony

(ham) - Seine Aussagen hatten hohe Wellen geschlagen: Andreas Kramer hatte vor wenigen Wochen im Bommeleeër-Prozess behauptet, sein Vater sei verantwortlich gewesen für die Attentate in Luxemburg. Der Deutsche, der von sich behauptet Akademiker zu sein, hatte ausgesagt, sein Vater hätte als Agent des Bundesnachrichtendienstes auf Befehl der Nato gehandelt, schlussendlich aber eine Geheimarmee innerhalb einer Geheimarmee aufgebaut.

Nicht nur die Bombenanschläge in Luxemburg habe Kramer senior zu verantworten, sondern auch die Attentate in den achtziger Jahren in Bologna, in München und in Belgien, bei denen mehr als hundert Menschen getötet wurden. Behauptet zumindest Andreas Kramer.

Informationen von wort.lu zufolge entsprechen diese Aussagen aber nicht der Wahrheit. Kramer sei in den letzten Jahren mehrmals als notorischer Lügner aufgefallen. Laut seinen Schwestern und seiner Ex-Frau soll der Zeuge, entgegen seinen Behauptungen, über keinen akademischen Abschluss verfügen. Er habe seine Familie diesbezüglich jahrelang hinters Licht geführt. Ein Umstand, der laut seiner Schwester zu einem unterkühlten Verhältnis mit seinem Vater, dem vermeintlichen Superterroristen geführt hat.

Ausgeprägte Profilneurose

Die Eltern haben den Sohn bis zuletzt finanziell unterstützt. Immer wieder habe Kramer andere Berufe angegeben, darunter Professuren und Tätigkeiten beim Rundfunk. Nachforschungen seiner Familie hätten aber ergeben, dass es sich um Lügen handelte. 

Unter anderem diese Lügen haben laut seiner Ex-Frau zur Trennung geführt. Kramer habe eine ausgeprägte Profilneurose, wolle ständig im Mittelpunkt stehen und habe bei jeder Gelegenheit sogar Fremden Lügengeschichten über sich eine seine vermeintlichen Tätigkeiten erzählt.

Es sei auch mehr die Mutter gewesen, die den Kontakt zu Kramer gesucht habe, als der Vater, so eine Schwester des Zeugen. Nach deren Tod im März 2009 sei der Kontakt dann schließlich komplett abgebrochen. Statt zur Beerdigung zu kommen, sei Kramer in die Türkei gereist, um dort seine Freundin zu heiraten.

Ein Auftrag von Obama

Bei einem Sorgerechtsstreit um seine zwei Kinder aus zweiter Ehe hat Kramer später angegeben, er habe in der Türkei im Auftrag des US-amerikanischen Präsidenten dessen Treffen mit dem türkischen Premier vorbereitet. Als Kramer dann auch noch seinen Vater vor Gericht zitierte, um das Erbe seiner Mutter anzufechten, habe der Vater jeglichen Kontakt abgebrochen, so eine seiner Schwestern.

So soll Kramer Informationen von wort.lu zufolge mehrmals versucht haben, Kontakt mit dem französischen, amerikanischen und britischen Geheimdiensten aufzunehmen. Dabei habe sich Kramer stets als Agent der deutschen Nachrichtendienste ausgegeben. Auch beim Sorgerechtsstreit um seine beiden Kinder habe der Zeuge dem zuständigen Senat erzählt, dass er als Mitarbeiter der Bundesregierung Ermittlungen gegen Agenten des KGB geleitet habe. Er sei Agent und habe Kontakte zur CIA und zum MI6.

Der Umgang des Vaters mit seinen zwei Kindern wurde aus unterschiedlichen Gründen denn auch bis 2015 ausgesetzt. Umgangskontakte seien nicht durchführbar, weil sie mit dem Kindeswohl nicht vereinbar seien, schreibt das Familiengericht des Oberlandgerichts Hamm in seiner Urteilsbegründung. Der Vater verwirre die Kinder durch merkwürdige und befremdliche Geschichten.

Widersprüche im Zeugenstand

Kramer hatte sich bereits während seinen Ausführungen im Zeugenstand vor der Kriminalkammer mehrmals in Widersprüche verfangen. Sein Vater habe mindestens drei Erpresserbriefe in Englisch an die Cegedel verfasst, so der Zeuge am ersten Tag im Zeugenstand, um einen Tag später dann zu behaupten, sein Vater habe gar kein Englisch gekonnt.

Was die Sprengfalle in Asselscheuer angeht, so sprach der deutsche Historiker von hochwertigem Material, das sein Vater von der Nato bezogen hätte. Als Richterin Conter ihn darauf hinwies, dass die Sprengfalle eigentlich ganz rudimentär aus Wäscheklammern, Draht und Dynamit zusammen gebaut worden war, geriet der Zeuge ins Schwimmen.

In einer ersten eidesstattlichen Erklärung hatte Kramer noch angegeben, Ex-Srel-Chef Charles Hoffmann sei für die Attentate verantwortlich gewesen und habe lediglich die Beweisstücke mit Hilfe seines Vaters verschwinden lassen. Vor Gericht „degradierte“ Kramer Hoffmann dann zum Mitwisser. Ausgeführt habe sein Vater die Anschläge, mit Hilfe eines 40-köpfigen Teams, inklusive zehn Luxemburger. Hoffmann sei dies zu bunt geworden und habe beim Nato-Kommando interveniert, so Kramer.

Vater war kein BND-Agent

Was den Werdegang des Vaters angeht, so macht die Schwester ganz andere Aussagen: Der Vater sei zwar Berufssoldat im Rang eines Hauptmannes beim deutschen Heer gewesen, doch habe er seine gesamte Amtszeit im Büro verbracht. Er habe nie Auslandsaufenthalte im Auftrag der Bundeswehr vorgenommen. Heimlich könne er das auch nicht getan haben, das wäre der Familie aufgefallen, meint die Frau.

Aufgrund seines Gesundheitszustandes habe der Vater auch gar nicht längere Zeit verreisen können. Er sei nämlich Ende der sechziger Jahre in einen Panzerunfall verwickelt gewesen und habe aufgrund der anschließenden chronischen Rückenschmerzen nicht mal Sport treiben können. Außerdem war der Vater Diabetiker und musste täglich Insulin zu sich nehmen.

Auch was die vermeintliche Beteiligung von Kramer senior am Attentat in Bologna am 2. August 1980 angeht ist die Schwester formell: Die Familie habe zu jenem Zeitpunkt in Österreich Urlaub gemacht und nicht, wie Andreas Kramer behauptete, in Venedig. Dies sei zwei Jahre zuvor gewesen. Aufgrund der damaligen Straßenverhältnisse sei es dem Vater nicht möglich gewesen, nach Bologna zu fahren, ohne dass die Familie dies mitbekommen hätte.

„Aussagen nicht glaubhaft“

Entsprechend überrascht sei man auf Seiten der Familie gewesen, als man mitbekommen habe, dass Andreas Kramer vor der Luxemburger Kriminalkammer vorstellig wurde. Was die Gründe für dessen Vorgehen angeht, so tappen die Schwestern im Dunkeln. Es könne sein, dass er all das, was er erzählt, auch selbst glaubt, so eine seiner Schwestern. Man habe sich aber die Frage nach monetären Interessen gestellt. Die Aussagen seien auf jeden Fall nicht glaubhaft, meint die Frau weiter.