Bommeleeër: Zeuge belastet Hoffmann und Stay Behind

Sohn eines deutschen BND-Agenten beruft sich auf Aussagen seines Vaters

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(ham) - Jeder Tag eine neue Enthüllung: Als Richterin Sylvie Conter am Mittwochnachmittag Me Gaston Vogel zum Auftakt des elften Prozesstages fragte, ob er noch ein neues Element einbringen wollte, bevor Ermittler Klein wieder den Zeugenstand betritt, meinte der Anwalt noch, dass er sich das für später aufhebe.

Nach weiteren Ausführungen des Chefermittlers zu den polizeilichen Maßnahmen während der Attentatszeit und einer kurzen Sitzungsunterbrechung war es dann gegen 17 Uhr so weit: Es habe sich vor einigen Tagen ein Zeuge bei ihm gemeldet, dessen Aussage er dem Gericht nicht vorenthalten möchte, so Me Vogel. Er habe den Mann aus Deutschland sofort an einen Notar verwiesen und die eidesstattliche Aussage liege nun vor.

In dieser bezeugt ein deutscher Historiker, dass sein Vater als ehemaliger Hauptmann der Bundeswehr und Agent des Bundesnachrichtendienstes Operationsleiter der Gladio-Stay-Behind-Truppe des deutschen Geheimdienstes gewesen sei. Als solcher sei er auch für die Koordinierung verschiedener Interventionen der Gladio-Truppen Großbritanniens und der Benelux-Länder zuständig gewesen und habe engen Kontakt zum damaligen Srel-Chef Charles Hoffmann gepflegt.

Der 58-jährige Historiker aus Duisburg sagt weiter, dass Hoffmann in seiner Eigenschaft als Operationsleiter von Stay Behind in Luxemburg von 1973 bis 1976 als Spezialagent in einem geheimen Natostützpunkt in Sardinien in den Bereichen Sabotage, Sprengung und Einbrüche ausgebildet wurde. Die anderen Agenten seien in den gleichen Sparten in Schottland unterrichtet worden

„Verantwortlich für Einbrüche und Sprengstoffdiebstähle“

Und dann lässt der ehemalige Mitarbeiter der Verwaltung des Bundestags in seiner eidesstattlichen Aussage die sprichwörtliche Bombe platzen: „Die Luxemburger Gruppe war verantwortlich für sämtliche Einbrüche und Sprengstoffdiebstähle während der Jahre 1984-1985.“ Diese Informationen habe sein inzwischen verstorbener Vater, der nach 1973 als Doppelagent Informationen über die Nato-Geheimtruppen an Moskau weitergeleitet hatte, ihm noch zu Lebzeiten anvertraut.

Luxemburg sei der ideale Ort für solche Übungen gewesen, da das Land im Jahr 1984 die Haager Konvention zum Verbot von Sprengfallen noch nicht unterzeichnet hatte. Zudem sollten alle Attentate die Bevölkerung terrorisieren und politisch zu einem Rechtsruck einschwören. Während die deutschen und italienischen Stay-Behind-Truppen Sprengstoffe der Nato verwendeten, habe sich die Luxemburger Gruppe bei Diebstählen in den Steinbrüchen mit Sprengstoff eingedeckt. „Die Ziele waren als Übungen gedacht für spätere Einsätze an der Frontlinie“, heißt es weiter.

„Wenn mein Vater die Interventionen verschiedener ausländischer Gruppen mit den Luxemburgern koordinierte, d.h. zusammenbrachte, so war Herr Hoffmann zuständig für die Auswahl seiner Agente, die Zielorte und den Einsatz vor Ort im Zielgebiet“, zitiert der Zeuge aus dem Nachlass seines Vaters. „Alles lief laut meinem Vater über seinen Schreibtisch. Für meinen Vater galten die Luxemburger Agenten als sehr zuverlässige Partner innerhalb der Nato-Geheimtruppen“.

Ließ Stay Behind die Bommeleeër-Beweise vernichten?

Auch das Verschwinden der Beweise im Dossier Bommeleeër gehe auf das Konto von Stay Behind: Dies sei in mehreren Etappen vom deutschen BND-Agent zusammen mit Hoffmann organisiert worden, um alle Spuren zu verwischen. „Mein Vater hat mir dies noch zu Lebzeiten während meiner Tätigkeit im Bundestag in Bonn anvertraut. Er hat mich damals ebenfalls über den streng vertraulichen Stand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Luxemburg informiert“, erinnert sich der Historiker weiter.

Das Richtergremium nahm die eidesstattliche Aussage zur Kenntnis und beauftragte Ermittler Klein mit der Überprüfung dieser Enthüllungen. Man werde das Verfahren aber nicht unterbrechen, so Richterin Conter. Der Zeuge soll dennoch schnellstmöglich gerufen werden.

Die Verteidigung hatte bekanntlich in der ersten Woche einen Antrag bezüglich der Stay-Behind-Piste eingereicht. Diese Spur sei nie richtig verfolgt worden, obwohl die Attentate eine klar militärische Vorgehensweise aufzuzeigen hatten, so Me Lorang und Me Vogel gegenüber der Kriminalkammer.