Bommeleeër: Srel hatte Stay Behind im Verdacht

Geheimdienst informierte Anfang 2006 Premier Juncker und Minister Frieden über seine Theorie

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(gs/str) - Der Srel hat die Regierung bereits vor sieben Jahren über eine mögliche Verstrickung des Stay-Behind-Netzwerks in die Bommeleeër-Affäre unterrichtet. Entsprechende Angaben soll der ehemalige Srel-Mitarbeiter André Kemmer am Dienstag bei seiner Anhörung vor der Geheimdienst-Untersuchungskommission gemacht haben. Kemmer soll von einem Treffen der Srel-Spitze mit Premier Juncker und Minister Frieden Anfang 2006 gesprochen haben. Dieses Thema bestimmte denn auch die 24. Sitzung im Bommeleeër-Prozess, in dem nun bereits ab kommender Woche die Spuren „Gladio“ und „Stay Behind“ im Mittelpunkt stehen sollen, diese Dossiers samt Zeugenanhörungen demnach vorgezogen werden.

Wie das „Luxemburger Wort“ am Donnerstagabend aus zuverlässiger Quelle erfuhr, fand im Januar 2006 tatsächlich ein solches Treffen zwischen Premier Jean-Claude Juncker, Justizminister Luc Frieden, Srel-Chef Marco Mille und dessen Mitarbeitern André Kemmer und Frank Schneider statt – und dieses wurde ohne Wissen der Regierungsmitglieder aufgezeichnet. Thema der Unterredung war unter anderem eine mögliche Verstrickung zwischen Stay Behind und der Bommeleeër-Attentatsserie.

Die Srel-These

Unseren Informationen zufolge beruht diese eventuelle Verbindung zwischen Stay Behind und der Anschlagsserie auf einer Theorie der Srel-Mitarbeiter André Kemmer und Frank Schneider. Diese These sollen die damaligen Agenten anhand von offiziellen Geheimdienstdokumenten erstellt haben. Besagte Papiere definierten der Quelle zufolge Struktur und Funktionsweise des Stay-Behind-Netzwerks „Plan“ in Luxemburg. Auch beinhalteten die Dokumente Übungsszenarien für Stay-Behind-Agenten. Eine direkte Verbindung zu den Anschlägen, in diesem Punkt lässt die Quelle keinen Zweifel zu, bestehe nicht.

Die Verteidigung, allen voran Me Vogel, fasste gestern vor Gericht die jüngsten Aussagen André Kemmers anlässlich seiner Anhörung bei der Geheimdienst-Untersuchungskommission zusammen, die sich auf besagtes Treffen der Srel-Spitze mit Premier Jean-Claude Juncker und Justizminister Luc Frieden beziehen sollen.

Laut Me Vogel, der sich auf Kemmer berief, sei der eigentliche Hintergrund dieser Unterredung die Analyse von Dokumenten gewesen, die dem Geheimdienst zugespielt wurden. Diese Dokumente sollen sich mit einer Affäre um einen internationalen Entwicklungsfonds, afrikanisches Schwarzgeld und den ehemaligen Präsidenten des Luxemburger Rechnungshofs, Gérard Reuter, befasst haben. Radio 1007 deckte gestern die Hintergründe des Treffens auf.

CIA als Auftraggeber?

Dass der Srel den Stay Behind hinter den Anschlägen vermutete, bestätigte gestern allerdings der angesprochene Gérard Reuter gegenüber RTL. Reuter, der offensichtlich über gute Kontakte zum Srel verfügt oder verfügt haben muss, bezeichnete zudem die US-amerikanische CIA als Auftraggeber der Bombenserie. Des Weiteren bestätigte Reuter den Aufenthalt des Loge-P2-Gründers und Gladio-Mitglieds Licio Gelli Mitte der 1980er-Jahre im Großherzogtum. Me Vogel stellte den Italiener gestern nochmals in Zusammenhang mit der Attentatsserie.

Im gleichen Kontext beantragte Me Vogel die schnellstmögliche Anhörung aller Protagonisten im Zeugenstand, als da wären Juncker, Frieden, Mille, Schneider und Kemmer. Das Gericht entschied, zunächst noch die Spur „Ben Geiben“ abzuschließen, dann aber bereits ab kommenden Mittwoch die Spuren „Gladio“ und „Stay Behind“ samt Anhörung der entsprechenden Zeugen, unter denen denn auch Premier, Minister sowie Ex-Srel-Spitze fungieren, zu behandeln. Besagte Pisten sollten eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen werden, werden nun aus aktuellem Anlass aber vorgezogen, was von der Verteidigung ausdrücklich begrüßt wurde.

Der Prozess wird nun aber erst mal am Montag fortgesetzt. Bereits gestern forderten die Oppositionsparteien DP und Déi Gréng Juncker und Frieden dazu auf, sich zu den „schweren Vorwürfen“ zu erklären.