Spieletipp

„Halo Wars 2“

„Halo Wars 2“ ist erhältlich für PC und Xbox One.
Foto: Microsoft

Von Matthias Probst

Es ist schon ein Weilchen her: 2009 sorgte „Halo Wars“ auf der Xbox 360 für Aufsehen. Der Strategietitel sah nicht nur unverschämt gut aus, sondern spielte sich auch noch prima mit einem Controller, was damals keine Selbstverständlichkeit war. Eigentlich klar, dass da eine Fortsetzung hermusste. Und mit „Halo Wars 2“ wartet nun ein würdiger Nachfolger, der die Bombastschraube zu bedienen weiß – auch wenn es im Grunde an innovativen Ideen fehlt. Doch bevor es an das eigentliche Spielchen geht, muss ich eine Sache loswerden, die mir persönlich inzwischen mächtig stinkt. „Halo Wars 2“ ist an dieser Stelle das perfekte Beispiel für eine nicht so rosige Entwicklung in der Spielbranche.

Der Kunde als Kuh

Wenn ich mir ein Videospiel für 60, 70, 80 oder gar 90 Euro leiste, dann will ich auch in den vollen Genuss dieses Spiels kommen – das gilt heute noch so wie damals. Habe ich mir früher beispielsweise ein Spiel für das Super Nintendo gekauft, konnte ich mir sicher sein, dass ich das Teil vollständig durchzocken konnte, ohne weiteres Geld zu investieren. Das scheint heute nicht mehr ganz der Fall zu sein. Mal ganz abgesehen von „Season Passes“, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, setzt Microsoft bei „Halo Wars 2“ dem Ganzen still und heimlich die Krone auf. Der Multiplayer-Modus „Blitz“ ist im Grunde eine sehr unterhaltsame Geschichte: Anstatt Basen zu bauen und Einheiten zu rekrutieren, erhält hier jeder Spieler Karten auf die Hand, die er – sofern die Ressourcen es zulassen – jederzeit ausspielen kann. So entstehen flotte, abwechslungsreiche Gefechte, die maximal zehn Minuten in Anspruch nehmen. Im Anschluss an eine Partie regnet es Erfahrungspunkte und Credits, um weitere Kartenpacks freizuschalten. Denn nur, wer fleißig neue Kartenpackungen kauft, kann seine Einheiten genug stärken, um auf dem Schlachtfeld eine Chance zu haben. So weit, so gut. Aber jetzt kommt’s: Wer die richtig dicken Einheiten haben, beziehungsweise sichtbare Fortschritte machen will, der muss tief in die Tasche greifen. Und wir sprechen hier nicht von virtuellem Geld! Warum bitte sollte ich bei einem Vollpreisspiel denn noch zusätzlich Kohle hinblättern, um meinen Spaß zu haben? Bei einem Free-to-play-Produkt lasse ich mir diese Praktik gerne gefallen. Aber das hier geht einen Schritt zu weit: „Pay-to-Win“ ist für mich persönlich ein No-Go!

Blockbuster-Gefühl

So, das musste gesagt werden. Der ganz banale Grund, warum ich mich darüber so aufrege, liegt darin, dass der Rest des Spiels wirklich unterhaltsam geworden ist. Wäre es irgendein 0/8/15-Titel würde ich nur müde lachen und mich dem nächsten Spielchen widmen. Aber hier hatte ich mit der Einzelspieler-Kampagne echt meinen Spaß – und auch mit dem „Blitz“-Modus war es eine launige Angelegenheit, bis mir bewusst wurde, was hier geschieht.

Alle Fotostrecken

Streng genommen ist „Halo Wars 2“ als Strategiespiel lediglich Durchschnittsware. Wer gerne tiefgreifende taktische Möglichkeiten sucht, sollte sich wohl eher bei den Jungs von Blizzard umschauen oder auf das neue „Dawn of War 3“ von Sega warten. Denn „Halo Wars 2“ ist leichte Echtzeitstrategiekost – was mir gerade recht kam. Basis bauen, Einheiten erschaffen und in einer effektreichen Schlacht dem Gegner vor die Füße werfen – all das klappt hier hervorragend und sorgt für tolle Unterhaltung. Die Steuerung ist perfekt an den Controller angepasst, was PC-Nutzern sauer aufstößt, da sich der Titel mit Maus und Tastatur nur widerwillig bedienen lässt. Sei’s drum: Optisch und inszenatorisch spielt Microsoft in der ersten Liga. Taktisch gäbe es wohl noch Nachholbedarf, genügt mir persönlich aber durchaus. Fast, aber nur fast, habe ich mich dabei wie in alten Zeiten gefühlt, als Strategiespiele noch herrlich zeitraubend waren und wenig mit Mikro-Management zu tun hatten: „Command & Conquer“ war in dieser Hinsicht absolut spitze. „Halo Wars 2“ hat mich wieder an diese Zeit erinnert und dafür danke ich dem Spielchen.

Insgesamt wartet auf Käufer ein durchaus lohnenswerter Ausflug in die Welt von „Halo“ aus der Commander-Perspektive. Fans können bedenkenlos zugreifen, wenn sie Teil 1 schon mochten. Aber bitte macht einen Bogen um den „Blitz“-Modus beziehungsweise schaut ihn euch an, habt Spaß damit, aber versenkt nicht unnötig Geld darin – denn nur so können solche Praktiken in Zukunft eingedämmt werden. Hoffen wir das Beste.