Frühling im Garten

Honeymoon-Suite für gefiederte Gäste

Die weit verbreitete Kohlmeise ist in vielen Gärten heimisch und liebt abgedunkelte, höhlenartige Bauten.
Foto: Shutterstock

von Manon Kramp

Die Wände des Nistkastens im Holunderbaum meines Gartens strahlen in modischem Blau-Weiß, das Interieur ist aus edler Buche – doch bisher verschmähten die Vögel ihn. Um zu wissen wieso, habe ich im Haus vun der Natur nachgefragt.

Elisabeth Kirsch empfängt mich im Naturzentrum auf Kockelscheuer. Die junge Frau mit dem strubbeligen Kurzhaarschnitt ist Naturschutzberaterin bei natur & ëmwelt. Ich begleite sie in den großen Garten. Hier herrscht eine frühlingshafte Geräuschkulisse: Unter monotones Krähenkrächzen mischt sich melodiöser Vogelgesang. „Ja, die Meisen singen bereits und fangen an, sich vorzubereiten“, sagt die Expertin. „Nun dauert es nicht mehr lange. Manche Vögel fangen im März an, nach geeigneten Plätzen zu suchen, um ihre Nester zu bauen.“

Elisabeth Kirsch weiß, wie Vögel ticken.
Foto: Manon Kramp

Inmitten der noch brach liegenden Gemüsebeete und den von Schafen, Ziegen und Eseln bevölkerten Gehegen haben die Vogelfreunde zahlreiche Nistkästen angebracht. Ein genaues Datum für die sogenannte Vogelhochzeit aus dem gleichnamigen Volkslied gebe es nicht, lacht Elisabeth Kirsch. Diese Periode würde im März mit den Singvögeln anfangen und sich, abhängig vom Wetter und der Art, hinziehen. Unter idealen Bedingungen würden manche Vögel gar zwei Mal brüten. Es mache also Sinn, bis Ende März Nistkästen als Brutstätten im Garten oder auf dem Balkon anzubieten. Sie rückt ein Vogelhaus an seinem Holzpfosten zurecht. Der graue Klotz ist nicht so hübsch wie mein Häuschen, eignet sich aber besser für die Vögel.

An Menschen stören sich die meisten Vögel nur bedingt, beruhigt die Expertin. Man kann sich in Nestnähe aufhalten, sollte es aber vermeiden, zu häufig nachzuschauen, was drinnen vorgeht, und auf laute Grillpartys oder Musik verzichten. Im Gegensatz zu Säugetieren haben Vögel zudem einen sehr schlechten Geruchssinn. Federlose Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, kühlen rasch aus, aber wenn das Nest erreichbar ist, kann man versuchen, sie hineinzulegen. Die Eltern nehmen sie wieder an. Vögel mit einem ausgebildeten Federkleid, die noch nicht flügge sind, sollte man in eine hohe Hecke oder auf einen Ast setzen. Die Altvögel sind meist in der Nähe und füttern sie weiter.

Guter Schutz vor Feinden

Die Kästen sollen nicht zu niedrig hängen. Minimal 1,80 bis zwei Meter müssen es sein, um Katzen und Marder fern zu halten. Gute Befestigungsstellen sind Balkone, Mauern, Bäume und Hecken. Unter den Kästen sollten keine Gegenstände stehen, an denen Fressfeinde hinaufklettern können. Schutz vor Eier raubenden Krähen und Eichhörnchen bieten Schutzvorrichtungen wie etwa Dornengestrüpp.

Das Ausflugsloch sollte nach Südosten zeigen, sodass der Kasten von der Regenseite abgewandt ist. Dadurch vermeidet man, dass Nässe ins Innere gelangt, wodurch die Kleinen sich erkälten. Andererseits dürfen die Kästen nicht in der prallen Sonne hängen, sonst werden die Tiere regelrecht gegrillt.

Laute Untermieter

Der Nistkasten in meinem Garten guckt nach Westen und hängt also definitiv falsch. Ich werde ihn an einer geschützteren Stelle platzieren, um Vögel anzulocken. Andere gefiederte Gäste würde ich allerdings gerne wieder los werden: die geschwätzigen Dohlen im Kamin.

Elisabeth Kirsch wundert das nicht, heißt die Dohle auf Luxemburgisch auch „Steekueb“, was Steinkrähe bedeutet und auf ihren Lebensraum hinweist: Mauerspalten und Türme. Solche Nistmöglichkeiten sind rar und so wirken Kamine allzu verlockend. „Im Prinzip ist es verboten, Nistplätze oder Nester zu zerstören,“ sagt die Naturschützerin. Will man den Kamin nutzen, soll man ihn – natürlich außerhalb der Brutperiode – von einem Schornsteinfeger reinigen lassen, da Brandgefahr besteht. Ein Verschlussgitter beugt dann weiteren Besuchern vor.

Tipps für die artgerechte Vogelunterkunft

  • Amsel, Kohlmeise, Blaumeise, Rotkehlchen und Hausspatz sind die häufigsten Gartenbesucher. Kohl- und Blaumeise sind typische Höhlenbrüter und nehmen gerne Nistkästen an, da sie kaum mehr alte Bäume finden, die geeignete Löcher aufweisen. Weil Meisen ihre Reviere verteidigen, sollte man die Kästen in einem Abstand von mehreren Metern aufhängen.
  • Für kleinere Arten wie die Tannenmeise sollte der Durchmesser des Einflugslochs nur 28 Millimeter groß sein. Ansonsten machen sich größere Meisenarten oder Spatzen breit. Letztere sind anspruchslos und lieben das gesellige Leben in Kolonien. Weil Nischen unter Dächern fehlen, nehmen sie Nisthäuschen gerne an. Diese dürfen enger beieinander hängen und es gibt Vorrichtungen mit gleich mehreren Unterkünften.
Hoch oben im Baum angebracht, bietet der Nistkasten den Vögeln Schutz vor Fressfeinden.
Foto: natur & ëmwelt

Die Amsel baut ihr Nest in Bäumen und hohen Hecken. Das Rotkehlchen auch, aber lieber niedriger. Es bevorzugt, genau wie der Zaunkönig, naturnahe Hecken. Diese sollten nicht zu sehr zurückgeschnitten sein und sich aus heimischen Sorten wie Weißdorn, Schlehe, Feldahorn und auch Buche zusammensetzen. Gut sind Dornen, die Bodenbrüter oder solche, die in Bodennähe nisten, vor Feinden schützen.

  • Arten, die den Winter in Afrika verbringen, wie etwa Schwalben, kommen in der Regel erst Anfang April wieder. Sie können witterungsbedingt aber auch schon Ende März in Luxemburg auftauchen, sodass man ab dann Kunstnester bereitstellen sollte. Sie können das ganze Jahr über hängen bleiben, da die Vögel standorttreu sind. 

Wohnpräferenzen

  • Vögel haben beim Wohnen ihre Vorlieben und auch bei den Bauformen zeigen sich Unterschiede. Standardmodelle für Höhlenbrüter gibt es als runde oder rechteckige Häuschen mit kleinen Öffnungen und dunklem Innenraum. Halbhöhlen- oder Nischenbrüter wie der Hausrotschwanz bevorzugen eine offenere Bauweise mit mehr Lichteinfall, da sie normalerweise in Mauerspalten und -nischen hausen.
  • Geeignete Nistkästen findet man im Fachhandel, man kann sie aber auch selber bauen. Als Material eignen sich unbehandeltes Holz und Holzbeton, ein Gemisch aus Sägespänen und Zement, das haltbarer ist. Die Materialien müssen atmungsaktiv sein, da das Nistmaterial anfangs feucht ist. Hinzu kommen die Ausscheidungen und auch die kleinen Vögel heizen den Innenraum auf. Bei zu viel Feuchtigkeit bildet sich im Kasten Schimmel und das ist fatal für die Brut.
  • Vögel bauen ihre Nester am liebsten selbst. Idealerweise finden sie in ihrer Umgebung alles, was sie zur Konstruktion benötigen: Reisig, kleine herabgefallene Äste, verwelkte Blumen und Gräser, Moospolster. Man sollte also im Garten nicht den Putzteufel rauslassen. Doch Nistkästen sind nur eine Lösung. Hecken pflanzen, einen alten Baum oder eine verfallene Mauer stehen lassen – und schon ist Platz für eine Vogelsiedlung.
  • Zweitverwertung: Im September, nach Ende der Brutsaison, sollte man die alten Nester entfernen und die Kästen ausfegen. Man kann damit auch bis März warten. Vogelhäuser werden nämlich von Siebenschläfern und Haselmäusen gelegentlich zum Überwintern genutzt und dabei dürfen sie nicht gestört werden.