Zapping: „The Lizzie Borden Chronicles“

Ein Air von Déjà-vu

Ästhetisches Morden leicht gemacht mit "Addams Family"-Star Christina Ricci

Psychopathin mit Engelgesicht: Wer Lizzy Borden (Christina Ricci) in die Quere kommt wird einfach beseitigt..
(FOTO: SONY PICTURES TELEVISION)

von Vesna Andonovic - „Old habits die hard“ – sprich: alte Gewohnheiten wird man nicht so schnell los. Zumindest nicht so leicht und wirksam, wie all die Menschen, die Lizzy Borden plötzlich im Weg stehen. Wie gut, dass die junge Frau mit Engelsgesicht eine eiskalte psychopathische Mörderin ist, die nachdem sie den eigenen Vater und ihre Stiefmutter mit einer Axt ins Jenseits befördert hat, und trotzdem vom Gericht freigesprochen wurde, erst Mal eines will: Das Leben genießen.

Blöd nur, dass sie und Schwester Emma nicht nur Geldsorgen plagen, sondern auch noch diverse unliebsame Menschen, die dem geruhsamen Glück im Wege stehen. Doch pragmatisch wie sie ist, hat Lizzy stets schnell eine Lösung parat: einfach umbringen und die Leiche verschwinden lassen. Doch ein Mitglied der berühmten Pinkerton-Detektivagentur ist ihr auf den – zarten – Fersen ...

Ricci auf Durststrecke

Die sprichwörtlichen alten Gewohnheiten der düsteren Rollen dürften auch für Christina Ricci, Star der „The Lizzie Borden Chronicles“, die man auf auf der Streamingplattform Netflix sehen kann, wie ein Klotz am Bein sein.

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Doch die Zeiten, in denen die als Wednesday in den 1990ern in den zwei kultigen „The Addams Family“-Filmen bekannt gewordene Schauspielerin zu den begehrten Gesichtern Hollywoods zählte, sind längst „tempi passati“: Einen kleinen Lichtblick gab es noch 1999 mit „Sleepy Hollow“, 2006 mit „Black Snake Moan“ an der Seite von Samuel L. Jackson und zuletzt 2012 mit „Bel Ami“-Robert Pattinson, seitdem bekommt die eigentlich talentierte Schauspielerin nicht wirklich die richtigen Projekte angeboten.

Kein Wunder, also, dass sie mit dieser Serie, der 2014 die Fernsehfilmproduktion „Lizzie Borden Took an Axe“ vorausging, im gleichen Register versucht ihrer Karriere neuen Auftrieb zu geben. Aber auch leider – denn eine wirklich schauspielerische Herausforderung – abgesehen vom Kulleraugen-Blick, den sie seit Jahrzehnten drauf hat, und der „Im-schicken-Kleid-und-mit-Federschmuck-auf-dem-Kopf-gut-Aussehen“-Pose wird ihr hier nicht wirklich geboten.

Keine wirkliche Offenbarung

Die Geschichte der Lizzy Borden, die nach einem Doppelmord in Fall River im Bundesstaat Massachusetts freigesprochen wurde, fußt auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1892 – und als Beweis und gleichermaßen Legitimierung hierfür, haben die Produzenten gar die alten Prozessfotos für die Serie ausgegraben – auch wenn alles was hier passiert nicht nur wahrscheinlich, sondern ziemlich sicher reine Spekulation ist.

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Man braucht zwar etwas Zeit, um sich zusammenzureimen, wer diese Charaktere alle sind und wie sie zueinander stehen und worum es hier eigentlich geht, doch dann folgen die – meist blutig endenden – Wendungen Schlag auf Schlag. Spannung kommt dabei zwar nur mäßig auf, denn das Handlungsschema ähnelt sich von Mord zu Mord, doch zum Glück rettet die visuell ansprechende Aufmachung das Ganze in den Bereich zwischen dem Zumutbaren und dem Erträglichen.

Eine Serie für Genrefans, die man bis zu Ende schaut, weil man damit angefangen hat, sie mit Sorgfalt umgesetzt ist und man einfach wissen will, wie es schlussendlich ausgeht – unter dem Strich aber keine wirkliche Offenbarung. Dies dürfte dann auch erklären, dass sie mit diesen acht Episoden vom Produktionshaus Lifetime als abgeschlossen betrachtet wurde.

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„The Lizzie Borden Chronicles“ ist auf Netflix abrufbar.