Der geplatzte Traum vom großen Glück

Luxemburger Koproduktion ''Mobile Home'' ab diesen Freitag im Ciné Utopia

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(thi) - Simon und Julien wollen ihrem Leben einen neuen Sinn geben. Deshalb kaufen sie sich ein gebrauchtes Wohnmobil und planen eine Europareise. Dass dieser Traum vom großen Glück jedoch eine unerwartete Richtung einschlagen wird, zeigt der belgische Filmregisseur François Pirot in der belgisch-französisch-luxemburgischen Filmproduktion ''Mobile Home'' auf humorvolle, skurrile und ergreifende Art.

Simon hat seine Arbeit aufgegeben, sich von seiner Freundin getrennt und lebt wieder bei seinen Eltern. Julien dagegen kümmert sich um seinen kranken Vater und plant, eine alte Scheune zu restaurieren.

''Warum nicht einfach abhauen?''

Eines Abends treffen sich die zwei Jugendfreunde nach vielen Jahren wieder. Schnell merken beide, dass ihr Leben nichts reizvolles aufzuweisen hat. ''Warum nicht einfach abhauen und losfahren?'', fragen sich Simon und Julien. Die 30-Jährigen wollen sich einen Jugendtraum gönnen: Mit einem Camper durch Europa ziehen. Deswegen müssen sie noch das notwendige Geld aufbringen und vor allem ihrer Familie den Rücken kehren.

Julien und Simon wollen durch Europa ziehen
Foto: Tarantula

''Die zwei Männer haben ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Für beide spielt die Familie eine wichtige Rolle. Sowohl Julien als auch Simon werden in diesem Zusammenhang persönliche Entscheidungen treffen müssen. Sie werden sich im Laufe der Geschichte entwickeln, jeder auf seine Art'', erklärt der belgische Regisseur François Pirot.

Obwohl der Zuschauer sehr schnell bemerkt, dass dieser Road-Movie schiefgehen wird, bliebt der Schluss des Streifens offen. ''Es ist nicht meine Rolle, am Ende eine Beurteilung abzugeben oder eine Lösung vorzuschlagen. Sowieso habe ich keine Lösung parat. Denn der Wunsch zum Ausbrechen ist ein kollektives Phantasma unserer Gesellschaft und jeder von uns soll es frei interpretieren können'', beurteilt François Pirot, der ebenfalls Co-Autor des Szenarios ist.

Banale und anonyme ''Locations''

Gedreht wurde ''Mobile Home'' größtenteils in den belgischen und luxemburgischen Ardennen. Die ausgewählten ''Locations'' stechen durch ihre Anonymität und Banalität hervor. Simon und Julien leben in ''irgendeiner'' ländlichen Ortschaft François Pirot interessierte sich vielmehr für Details, die den beiden Hauptrollen eine Tiefe und eine Verankerung in ihrer Umwelt garantieren sollen. Ein Lagerfeuer, ein altes Moped, eine Fender-Gitarre, ein Jupiler-Bier, ein ausgedienter Fiat-Camper... die Bilder aus der Vergangenheit häufen sich an und sind nicht dem Zufall überlassen. Klischees werden auch bewusst nicht ausgeklammert.

Diese Details sowie die manchmal skurrile Kameraführung verfolgen ein einziges Ziel: dem Film ein bestimmtes Ambiente zu geben.

''Diese Stimmung entstand während des Schreibens des Szenarios'', versichert François Pirot. ''Ich habe stets eine gewisse Distanz zwischen den Ereignissen und den beiden Hauptrollen gesucht und gebraucht. Mit einer Dosis Humor konnte ich ein weiteres Ziel erreichen: Man soll über das, was uns beängstigt, immer lachen können.''


''Mobile Home'' von François Pirot bietet dem Zuschauer eine sehenswerte Auseinandersetzung mit einem tiefgründigem Thema: Sind wir bereit, unserem Leben einen neuen Aufschwung zu geben? Können wir unsere Vergangenheit, unsere Wurzeln ignorieren? Anstatt moralisch vorzugehen, bevorzugt der Regisseur eine auf zwei gegensätzliche Personen zentrierte und menschenorientierte Geschichte.

Auch wenn teilweise der Rhythmus zu stocken droht, bleibt der Streifen voller witziger und humorvoller Elemente.

Fazit: ''Mobile Home'', der erste Spielfilm von François Pirot und von ''Tarantula'' für Luxemburg koproduziert, ist ein gelungenes, überaschendes und sehenswertes Werk.