Pläne der Bundeskanzlerin

Merkel will Ban Ki Moon beerben

Ziel ihrer Wünsche: Bundeskanzlerin Angela Merkel im September 2010 vor der UN-Vollversammlung anlässlich des Millenniums-Gipfels.
Foto: AFP

Von Jochen Zenthöfer

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bei ihrem Besuch in Washington Anfang Mai als nächste Generalsekretärin der Vereinten Nationen ins Gespräch gebracht. Das erfuhr das „Luxemburger Wort“ aus Berliner Regierungskreisen. Danach möchte Merkel im Sommer 2016 als Nachfolgerin von Ban Ki Moon gewählt werden und das Amt zum 1. Januar 2017 antreten. Der Südkoreaner Ban muss nach zwei Amtszeiten ausscheiden.

Nach zuletzt einem Südamerikaner, zwei Afrikanern und einem Asiaten ist nun Europa – einem ungeschriebenen Gesetz zufolge – wieder an der Reihe, die Position zu besetzen. Merkel wäre die erste Frau an der Spitze der Weltorganisation und mit 62 Jahren genauso alt wie der amtierende UN-Generalsekretär bei seinem Amtsantritt.

Gute Kontakte

Als möglicher Gegenkandidat wird in Berlin der britische Premierminister David Cameron gesehen. Allerdings wirkt er aufgrund seiner europaspektischen Äußerungen innerhalb der EU isoliert, seine konservative Partei gehört zudem nicht der EVP an. Im Gegensatz dazu hat es die Christdemokratin Merkel immer verstanden, auch den anderen großen Machtblock – die Sozialdemokraten – an sich zu binden.

Sollte Merkel in der UN-Vollversammlung in New York eine Mehrheit finden, könnte ihr Wolfgang Schäuble als Bundeskanzler nachfolgen. Schäuble würde dadurch für seine Loyalität zu Merkel ausgezeichnet, heißt es in Berliner Regierungskreisen. Der 71-Jährige Schäuble wäre indes nur eine Übergangslösung, der der CDU bei den Bundestagswahlen 2017 die Mehrheit sichern solle Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen oder  Innenminister Thomas de Maizière hätten die Chance, Schäuble nach zwei oder drei Jahren im Kanzleramt nachzufolgen, heißt es in Berlin.

Merkel hofft, so vermuten einige, als Obama-Nachfolgerin auf eine US-Präsidentin Hillary Clinton, die ebenso wie Merkel im Januar 2017 vereidigt werden würde. Die beiden Damen – die sich privat schon heute gut verstehen – könnten das Weltgeschehen dann über Jahre prägen.

Blick auf die Weltpolitik gerichtet

Die Weltpolitik wird auch bei Merkels Feier zu ihrem 60. Geburtstag, um den 17. Juli in Berlin, eine Rolle spielen. Die CDU wird dann einen großen Empfang ausrichten, wie es auch schon zu Merkels 50. Geburtstag geschah. Heute ist jedoch klar, dass Merkel ihre eigene Zukunft schon damals sehr genau vor Augen hatte.

Merkels Ansehen in Deutschland ist zwar weiterhin hoch. Doch auf der Liste der beliebtesten Politiker ziehen immer öfter Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Wolfgang Schäuble an ihr vorbei. Ob die Bevölkerung Merkel bei den Bundestagswahlen 2017 erneut unterstützen würde – für eine vierte Amtszeit – steht in den Sternen. Sie will den richtigen Zeitpunkt zum Absprung nicht verpassen, heißt es in Berlin. Ihre Karriere soll nicht mit einer Niederlage, wie Helmut Kohl 1998, enden. Zudem wäre es schwer, das Union-Spitzenergebnis von 42 Prozent von 2013 zu verteidigen.

In der UN-Vollversammlung benötigt Merkel in zwei Jahren eine absolute Mehrheit. Da sind besonders Stimmen aus Afrika wichtig. Während des EU-Afrika-Gipfels im April in Brüssel nahm sich Merkel ungewöhnlich viel Zeit für bilaterale Gespräche. „Der Nachbarkontinent Afrika gewinnt an Bedeutung“, hatte die Bundeskanzlerin während des Gipfels betont. Man könnte nun hinzufügen: Vor allem für ihre eigenen Karrierepläne.

Das Bundespresseamt hat erwartungsgemäß umgehend reagiert. Pressesprecherin Annekatrin Gebauer erklärte am Mittwochmorgen gegenüber dem "Luxemburger Wort", der Bericht entbehre "jeglicher Grundlage".