Logistik

Dachser will Luxemburger Standort ausbauen

Das Unternehmen aus dem Allgäu hat sein Exportvolumen im Großherzogtum vervierfacht

Von Andreas Adam

Als Dachser Logistics vor drei Jahren ins Großherzog kam, hatte sich das deutsche Unternehmen aus Kempten im Allgäu diesen Schritt genau überlegt. Zuvor schon war das Großherzogtum kein weißer Fleck auf der Dachser Landkarte gewesen, denn in zirka 80 Kilometern Entfernung existierte bereits die Niederlassung Überherrn im Saarland nahe der französischen Grenze, von wo aus das Großherzogtum angefahren werden konnte. Überherrn kommt als Eurohub eine zusätzliche Funktion zu. In Europa betreibt Dachser nur drei solcher Logistikdrehscheiben, um Lieferströme zu bündeln. Weitere Eurohubs befinden sich noch in Bratislava (Slowakei) und bei Clermont-Ferrand (Frankreich).

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Exportvolumen von Dachser Luxemburg wurde vervierfacht

Statt Luxemburg weiter über die Niederlassung Überherrn zu versorgen, wurde 2011 der Entschluss gefasst, direkt hier vor Ort präsent zu sein, um das viel versprechende Geschäft besser entwickeln zu können. Es erfolgte eine Erweiterung vom Saarland ins Großherzogtum, wobei Dachser in Grevenmacher erst als Satellit von Überherrn funktionierte und auch von dort verwaltet wurde. Seit 2013 ist Grevenmacher eine eigene Niederlassung und wird wie die vergleichbaren Standorte in Belgien und den Niederlanden von Benelux-Chef Aat van der Meer geleitet. „Um sich weiterzuentwickeln, musste der Luxemburger Standort autonomer werden“, sagt van der Meer. 2011 wurden von Dachser im Großherzogtum täglich etwa 35-40 Tonnen exportiert und 250 Tonnen importiert. Im Lauf des Jahres 2013 wollte man die Exporte zunächst auf 60 bis 70 Tonnen und mittelfristig auf 150 Tonnen pro Tag steigern. „Das haben wir inzwischen schon erreicht, so der Benelux-Chef. Die Gründe für diese Entwicklung sind das Eigenwachstum, aber auch Gebietsverschiebungen. Der Aktionsradius der Niederlassungen ist nicht auf die jeweiligen Länder beschränkt, sondern meist grenzübergreifend angelegt, sodass von Grevenmacher z.B. auch Kunden in Deutschland betreut werden.“

Eurohub Überherrn in gut
einer Stunde erreichbar

Obwohl Dachser Luxemburg in Grevenmacher inzwischen eine eigene Niederlassung ist, wurde die Zusammenarbeit mit Überherrn keineswegs eingestellt. Ganz im Gegenteil. Grevenmacher profitiert erheblich vom Eurohub, der in einer guten Stunde mit dem Lastwagen erreichbar ist. Statt die über 300 anderen Dachser-Niederlassungen in Europa direkt anzufahren, können knapp 100 tägliche Verbindungen ab Überherrn mitgenutzt werden, was Zeit und Kosten spart, die Fuhren besser auslastet und die Umwelt schonen soll. Zwischen acht Uhr morgens und 20.45 Uhr am Abend treffen insgesamt 42 Sattelschlepper in Überherrn ein, zwischen 20.45 und 23 Uhr sind es nochmals 57 – dann herrscht dort Hochbetrieb. Ankommende Fahrzeuge aus Luxemburg haben dabei den Vorteil, aufgrund der geringen Entfernung relativ spät beim Kunden losfahren zu können. An mehreren Rampen werden die Lastwagen von eingespielten Teams entladen, die kodierten Güter kommen per Hubwagen auf einen automatischen Rundkurs. Von dort werden die Waren nach Destinationen geordnet, neu verladen und zwischen 23 Uhr und zwei Uhr morgens wieder auf den Weg gebracht.

Paneuropäisches Netzwerk ermöglicht komplexe Distribution

Durch das eng geflochtene Netzwerk europäischer Niederlassungen, verbunden mit den Eurohubs und einem europaweit einheitlichen Informations- und Kommunikationssystem, können sehr komplexe logistische Dienstleistungen angeboten werden. So war Dachser beispielsweise von Microsoft in die Distribution der Xbox One eingebunden, damit diese vom Zentrallager in den Niederlanden aus kommend überall pünktlich und gleichzeitig verfügbar war. Auf dieses paneuropäische Netzwerk kann auch der Standort im Großherzogtum zugreifen und das in besonders effektiver Weise, da der nächste Eurohub zum Greifen nahe liegt.

Suche nach neuem Gelände 
noch nicht abgeschlossen

Die Dachser-Niederlassung Grevenmacher hat aktuell eine Lagerkapazität von 2 750 m2 und stößt somit in absehbarer Zeit an ihre Grenzen. „Das Großherzogtum bietet noch viel Potenzial. 400 bis 500 Tonnen Exporte und bis zu 320 Tonnen Importe pro Tag sind in den kommenden Jahren durchaus denkbar, aber nur wenn wir uns in zwei bis drei Jahren entsprechend vergrößern“, erklärt Aat van der Meer. Die jetzige Niederlassung in Grevenmacher ist nicht erweiterbar. Am liebsten würde man in der Gegend bleiben. Auch ein Umzug nach Bettemburg ist nicht auszuschließen. Bislang wurde allerdings noch kein geeignetes Gelände gefunden. Man befindet sich noch in der Erkundungsphase. 4 000 bis 5 000 m2 Lagerkapazität strebt Dachser Luxemburg an, mit einer Option, dies auf 8 000 m2 steigern zu können.

Zahl der Mitarbeiter soll 
von 25 auf 100 steigen

Die Zahl der Mitarbeiter lag in Grevenmacher anfangs bei 25. In den nächsten zehn Jahren könnte dies laut Van der Meer auf bis zu 100 gesteigert werden. „Wir suchen immer wieder luxemburgische Mitarbeiter, die Branchenkenntnisse haben aber auch Land und Leute kennen. Leider finden wir nur sehr wenige solcher Bewerber“, sagt Aat van der Meer. Die meisten Mitarbeiter in Grevenmacher kommen daher aus den Nachbarländern.