Bausektor

Das Passivhaus wird zum Standard

Ab 1. Januar 2017 müssen alle neuen Wohngebäude in Luxemburg der AA-Energieklasse entsprechen.
LW-Archiv

Von Laurent Schmit

Die richtige Dämmung und die Luftdichtigkeit sind die größten Herausforderungen für die Handwerker, wenn sie ein Passivhaus bauen, erklärte Christiane Conrady von Myenergy. Ab dem 1. Januar 2017 müssen alle neuen Wohngebäude in Luxemburg diesem Standard entsprechen. "Damit ist Luxemburg Vorreiter in Europa", betonte Wirtschaftsstaatssekretärin Francine Closener.

Der Unterschied zwischen dem 2008 gültigen DD-Standard und der neuen AA-Klasse ist gewaltig: Von 13 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr soll der Verbrauch auf unter drei Liter sinken, erklärte Closener. Mehr Energieeffizienz bei Gebäuden ist wichtig, um die Klimaziele zu erreichen. In ganz Europa liegt der Anteil der Gebäude am gesamten Energiebedarf bei 40 Prozent - in Luxemburg sind es 45 Prozent, wenn man den Tanktourismus aus dem Energieverbrauch herausrechnet.

Die zusätzlichen Kosten sind beschränkt

Die höheren Anforderungen bleiben nicht ohne Folgen für den Preis: "Das Bauen wird nicht billiger", meinte der Generaldirektor der Handwerkskammer Tom Wirion, auch wenn dies nicht zu beziffern sei.

"Der AA-Standard ist ein Optimum zwischen Kosten und Energieeffizienz", betonte Christiane Conrady. Der Kostenunterschied zum aktuellen BB-Standard sei nicht bedeutend. Gegenüber den ständig steigenden Grundstückpreisen sei die zusätzliche Investition unerheblich, meinte Conrady.

Ein großer Bedarf an Weiterbildung

Für die Handwerker bedeutet der Übergang zum Passivhausstandard eine neue Art und Weise zu arbeiten. Seit 2012 bereitete die Initiative "LuxBuild 2020" die Betriebe des Bausektors auf diese Deadline vor.

Das Konsortium aus Myenergy, Handwerkskammer, die Fédération des artisans und das Institut de formation sectoriel du bâtiment (IFSB) definierten in einem ersten Schritt die nötigen Kompetenzen in den Bereichen energieeffizientes Bauen, der energetischen Sanierung und der erneuerbaren Energien. Inzwischen wurden 653 Betriebsverantwortliche und 400 Arbeiter ausgebildet.

Zwei neue Kompetenzzentren

Ab 2018 sollen diese Weiterbildungen in zwei neuen Kompetenzzentren in der Industriezone "Krakelshaff" in Bettemburg stattfinden, erklärte der Präsident der Fédération des Artisants Michel Reckinger. Das Gelände gegenüber des bestehenden IFSB stellt der Staat zur Verfügung.

Den laufenden Betrieb finanzieren die Mitglieder des Handwerkerverbands mit einem jährlichen Beitrag von 0,5 Prozent ihrer Lohnsumme. Aufgeteilt sind die Zentren zwischen den Themen Gebäudetechnik und Innenausbau. Die Angebote umfassen insgesamt 30 Handwerksberufe.